A Travellerspoint blog

Tag 9

Wilde Pferde

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Der letzte Tag unserer Reise ist angebrochen. Für heute steht eine leichte Tour auf dem Programm. Nachdem gestern die Gruppe einstimmig eine Programmänderung (sogar mit Unterschrift) beschlossen hatte, ging die Fahrt wieder Richtung Jurtendorf immer auf asphaltierter Straße etwa 100 km in die Steppe hinaus. Dann bogen wir von der Hauptstraße ab und fuhren wieder auf einer unbefestigten Piste quer durch die Pampa. Hier war ein stark landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Die Felder sind so groß, dass wenn der Bauer fertig ist mit dem Säen, dort wo er damit begonnen hatte, die Saat schon auf ist. Im Mai wird gesät und Ende September geerntet. Es werden alle Getreidesorten angebaut und Kartoffel und Gemüse auch. Die Felder, die heuer abgeerntet werden, liegen nächstes Jahr brach. Die Herden wandern drüber und düngen es dann für das nächste Jahr.

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Getreidefelder

Auf der anderen Seite der Felder wurde es immer sandiger. Wir hatten die, von der Reiseleiterin versprochene Sanddüne erreicht. Im südlichen Teil der Mongolei – etwa 300 km entfernt - breitet sich die Wüste Gobi aus. Sie besteht nicht nur aus den meist steinigen und seltener sandigen Wüsten in China, sondern auch aus den lebensfreundlicheren weiten Steppen in der Mongolei, in deren Ausläufer wir uns gerade befanden.

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Wüstenhaft

Nach dem Frühstück tat uns die kurze Wanderung durch das duftende Steppengras zu Sanddüne sehr gut. Quendel und Wermut waren die Verursacher des Duftes aber ebenso der wilde Schnittlauch, der hier wuchs. Kein Wunder, dass die Tiere so gut aussehen, wenn sie solcher Leckerbissen bekommen. Bald schon hatten wir den Gipfel, der paar Meter hohen Düne erreicht, von wo wir eine schöne Aussicht auf die Umgebung und unseren Bus, der Mitten in der Pampa stand, hatten.

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Sanddüne in der Steppe

Dann setzten wir unsere Fahrt auf der unbefestigten Piste fort. Immer wieder wackelte der Bus hin und her und denen in der ersten Reihe wurde schon ganz schlecht, als sie zusehen mussten, wie unsere Fahrer mal da mal dort den Löchern oder entgegenkommender Fahrzeuge auswich. Immerhin mussten wir eine Strecke von 12 km hinter uns bringen, bevor wir die Tore des Nationalparks Hustai erreichten.

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Eingang Hustai Biosphärenpark

Dort warteten schon drei Kleinbusse auf uns. Unser großer Bus würde den restlichen Weg durch den Park nicht schaffen. Vorerst konnten wir aber auf die Toilette (mit voller Blase wäre die Fahrt sehr unangenehm) und im Nationalparkzentrum erhielten wir einige Infos über Park und die hier vorkommenden Przewalski Pferde. Zunächst wurden 1993 50.000 ha des Chustian-Nuruu-Gebietes zur Schutzzone erklärt. Dann wurde 2003 von der Stiftung Hustai National Park Trust in Zusammenarbeit mit dem mongolischen Ministerium für Natur und Umwelt der Nationalpark Hustai gegründet durch den der Tuul Fluss fließt. Der Park wird heute von NGO betrieben. Neben den wieder angesiedelten Przewalski-Wildpferden kommen im Park auch Sibirische Wapitis, Mongoleigazellen, Rehe, Argalis, Sibirische Steinböcke, Wildschweine, Wölfe, Luchse, Manuls, Steppenfüchse, Rotfüchse, Dachse und Murmeltiere vor. Unter den 127 Vogelarten des Parks sind Steinadler, Bartgeier und Schwarzstörche hervorzuheben.

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Tiere in der Steppe

Als besonders selten gilt das Przewalski Pferd, das im Mongolischen auch Takhi genannt wird. Das Pferd ist nach dem russischen Expeditionsreisenden Nikolai Michailowitsch Prschewalski benannt, der 1878 die Pferde wissenschaftlich untersucht hatte. Leider starben diese Pferde 1969 aus. Nur dadurch, dass man sie davor in freier Wildbahn gefangen hatte, konnte man mit den in verschiedenen Zoos in Europa (Köln, Schönbrunn und Hagenbeck) so viele züchten, dass sie hier wieder ausgewildert werden konnten. Das Pferd soll auch am Ufer des Neusiedler Sees heimisch gewesen sein und man hat auch hier versucht, das Tier wieder anzusiedeln.

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Przewalski Pferd

Wir fuhren etwa eine halbe Stunde auf der Schotterpiste durch gebirgiges Steppenland. Hier zwischen den Felsen wuchsen das Steppengras und die Kräuter besonders üppig. Immer wieder sahen wir einen Hasen, der sich durch uns gestört fühlte und die Flucht in seinen Bau ergriff. Einmal sah man auf der einen Seite ein aufgescheuchtes Erdhörnchen, einmal ein Reh auf der anderen Seite des Jeeps. Dann erreichten wir einen Parkplatz, wo ein Jäger ein Fernrohr am Stativ aufgebaut hatte. Als wir ausstiegen, bildete sich unter unserem Auto eine große Lacke. Es stellte sich heraus, dass der Kühler kaputt war und die Gangschaltung nicht mehr richtig funktionierte. Ein Ersatzwagen würde schon starten.

In der Zwischenzeit begaben wir uns zum Ranger mit dem Fernglas. Der hatte bereits einige dieser seltenen Pferde gesichtet und dass Rohr auf sie gerichtet. Auf einem hohen Kamm gegenüber stand eines dieser Prachttiere wie eine versteinerte Statue und wartete darauf von und fotografiert zu werden. Es brauchte eine Weile, bis ich das Tier mit dem Tele gefunden hatte und schussbereit war.

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Przewalski Pferd

Dann aber richtete sich unsere ganze Aufmerksamkeit auf die andere Seite. Diese wilden Pferde halten sich am liebsten zwischen den Felsen in den hohen Bergen auf, wo man sie wegen ihrer Tarnfarbe kaum ausmachen kann. Es war die Rede von einem Rudel. Mindestens sechs Stück sollten zu sehen sein. Bei einem Blick durch das Fernrohr konnten wir uns davon überzeugen, dass sie sich tatsächlich knapp unter dem Gipfel aufhielten. Durch Tele und Fernrohr schossen wir dann unser Foto. Dann wurden am nächsten Gipfel einige gesichtet. Sie konnten sich wie Gemsen über die Steine bewegen.

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Przewalski Pferde

In der Zwischenzeit war unser Ersatzauto eingetroffen. Das hatte weniger Sitzplätze als das erste Auto. So mussten wir uns auf die anderen Autos aufteilen. Wir nahmen wieder denselben weg zurück ins Camp. Dort angekommen erhielten wir ein Mittagessen in einem Jurtenrestaurant. Nach dem Essen konnten wir einen kurzen Spaziergang machen. Am späten Nachmittag kehrten wir dann in die mongolische Hauptstadt zurück. Der nächste Tag – Tag der Heimreise – würde früh starten.

Posted by fegoestranssib 16:45 Archived in Mongolia

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