A Travellerspoint blog

Tag 6

Grenzkontrollen

sunny 31 °C

Heute hätten wir wieder vom Bus auf die Bahn umsteigen sollen. Leider haben wir mit dem tatsächlichen Programm die Nachricht erhalten, dass wegen einer Fahrplanänderung die Zugfahrt und somit auch die Nächtigung im Zug von Ulan Ude nach Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei ausfällt. Dieser Zug fährt nämlich nur zwei Mal wöchentlich und der nächste würde aber erst wieder am Freitag fahren. Ich weiß nicht, wer die Reise bei THV geplant hatte, aber der lag bei einigen Dingen falsch. Schade, dass eine Reise als Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn großartig angeboten wird und die leider nur 6 Stunden darin verbracht haben. Wir konnten die Strecke leider nur mit dem Bus zurücklegen und im Hotel in Ulaanbaatar übernachten.

Wir starteten nach dem Frühstück um 7:00 Uhr. Es war am Vortag bereits ein mongolischer Bus mit unserer Reiseleiterin angekommen. Mit diesem Bus würden wir die 650 km nach Ulan Ude zurücklegen. An der Rezeption lagen Lunchpakete für uns bereit. Vorerst fuhren wir dieselbe Strecke wie zum Kloster am Vortag. Danach weitete sich das Land und die Steppe begann. Man kann die Weite und die Schönheit der Graslandschaft weder beschreiben noch am Foto festhalten. Ich fand es auf jeden Fall faszinierend.

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Steppenlandschaft in Buratien

Hier hatte das Frühjahr gerade erst begonnen. Deshalb waren auch alle Felder frisch umgebaut. Durch den leichten Regen der Vorwoche war alles grün geworden und zwischen dem Steppengras blühte es farbenprächtig. Im September ist nochmals dieselbe Reise ausgeschrieben. Dort wird wegen der über den Sommer anhaltenden Hitze wohl alles Braun sein. Für mich war das Landschaftsbild allerdings herrlich.

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Landwirtschaft

Auf den großen Wiesen weideten große Herden von Kühen. Teilweise sah es auch aus wie bei uns auf der Alm. Die Straße, die zur Grenz führte, war auf russischer Seite erstaunlich gut. So konnten wir gutes Tempo machen. Nach etwa zwei Stunden hielten wir für einen Boxenstopp. Hier gab es Toiletten, wie wir sie früher von Italien her kannten. Sie würden aber die letzten für längere Zeit werden. Noch hatten wir etwa 220 Kilometer bis zur Grenze.

Viel lieber wäre ich wirklich mit dem Zug gefahren. Dann kann man sich wenigstens zwischendurch etwas bewegen. Auch war unsere mongolische Reiseleiterin nicht sehr gesprächig oder wollte oder konnte sie uns nichts über ihr Nachbarland erzählen. Deshalb möchte ich es euch aber trotzdem nicht vorenthalten, wie es gewesen wäre und euch auch ein wenig über die Ausstattung der Züge erzählen. In der Regel gibt es in russischen Zügen drei Klassen mit 2 oder 4-Bettabteilen oder in der dritten Klasse mit Großraumliegewagen. Am Ende jedes Wagens befinden sich ein Waschraum und eine Toilette. Dort gibt es auch ein Samovar, wo jederzeit kostenlos heißes Wasser bezogen werden kann. Bettwäsche ist im Ticketpreis enthalten; man muss das Bett jedoch selber beziehen. Wichtigste Person im Zug ist der Schaffner, der für die Sicherheit und Sauberkeit zuständig ist. Mit wem man ein Abteil teilt, liegt im Ermessen der Eisenbahngesellschaft und oft schlafen 4 Fremde zusammen. Es gab 9 Abteile pro Wagen. Ich habe natürlich das Paket, das wir auf unserer Kurztour erhalten haben, geöffnet und festgestellt, dass die Bettwäsche und das Handtuch in Ordnung waren.

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Bettwäsche in der transsibirischen Eisenbahn

Natürlich gibt es auch Luxusreisezüge, die über Wagen mit Duschen, Internet und Wäscheservice verfügen. Für eine Nacht kommt man auch mal mit einer Katzenwäsche aus. Aber ich wollte das wahre Eisenbahnleben, die Legende und die Romantik und natürlich auch die Nachteile der längsten Zugstrecke der Welt kennenlernen. Die meisten Züge verfügen über einen Speisewagen, der allerdings sehr weit weg von dem Sitzplatz sein kann, denn die Züge der Transsib können bis zu einem halben Kilometer lang sein. Es gibt keine Stromstecker direkt im Abteil, dafür jedoch in den Korridoren (Steckdosen mit 110V /220V, Stecker-Typ C). Auf manchen Teilstrecken gibt es sogar mobiles Internet, wurde uns berichtet.

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Toilette in der Transsibirischen Eisenbahn

Außerdem habe ich in verschiedenen Berichten im Internet davon gehört, dass einem auf der 5.185 km langen Strecke von Moskau nach Irkutsk schnell langweilig wird, denn es zieht 5 Tage lang immer die gleiche Landschaft vorüber: grüne Steppe, blühende Wiesen, Birkenwäldchen und ab und zu ein kleines Dorf. Die Baikaltrasse, die wir vor 2 Tagen befuhren war jedoch sehr abwechslungsreich und zählt sicherlich zu einer der schönsten Bahnstrecken der Welt. Es waren auch nur 260 Kilometer. Im Zug hat man natürlich auch den Vorteil, dass man die Toilette jederzeit benutzen könnte. Im Bus hatten wir keine. Also sparten wir auch mit dem Trinken. Da die Straße fast parallel zur Eisenbahntrasse verläuft, haben wir eigentlich nichts versäumt. Um 12:00 Uhr hatten wir die erste Zollkontrolle erreicht. Der Russische Zöllner stieg ein und kontrolliert unsere Pässe. Dann konnten wir weiterfahren zum Hauptzollamt. Dort mussten alle mit ihrem Handgepäck aussteigen und die Koffer holen. Der Bus musste auf die Grube und wir zum Röntgen. Danach wieder Passkontrolle und endlich erhielten wir den Ausreisestempel. Dann wurde der Bus wieder beladen und bevor wir durch den Schranken fahren konnten, bestieg wieder ein Zöllner den Bus, schaute alle Pässe nochmals an, zählte und durch und dann konnten wir fahren.

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Mongolische Grenzstation

Bei den Mongolen fand das gleiche Spiel in Grün statt. Dabei hatten wir großes Glück der jeweils einzige Bus zu sein, denn am Vortag bei der Anreise des leeren Busses benötigten sie für die Grenzformalitäten 5 Stunden! Wir hingegen nur knapp eine Stunde. Wir bemerkten aber sofort eine Veränderung als wir über die Grenze fuhren. Die kleinen Holzhäuschen waren Jurten gewichen. Im ersten kleinen Ort wurde schon alles für das Naha Fest vorbereitet. Hier finden Wettkämpfe in Ringen, Bogenschießen und Reiten statt. Das Fest ist wohl aus einem Wettkampf der Hunnen übernommen worden. Da wir gut in der Zeit lagen, hielten wir kurz an, um uns umzusehen.

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Naha Fest

Wir hatten sogar noch das Glück ein Vorrennen der einjährigen Fohlen mit den jüngsten Reitern zu sehen, die 14 km über die Steppe reiten. Gianmarco hätte seine reine Freude an den vielen schönen Pferden gehabt!

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Wettrennen der Fohlen

Dann wurde unsere Reiseleiterin für einen kurzen Augenblick etwas gesprächiger. Die Mongolei hat 3,3 Millionen Einwohner. 1,3 davon leben in der Hauptstadt Ulan Batar wohin wir unterwegs waren. Es gibt aber etwa 70 Millionen Tiere, die jedes Jahr gezählt werden. Hauptsächlich gibt es Kamele, Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen. Die Mongolen sind Nomaden, das heißt, dass sie mindestens 4 Mal jährlich weiterziehen, um gutes Futter für die Herde zu haben. Der Grund und Boden gehört der Allgemeinheit, außer er ist für landwirtschaftliche Flächen oder für Häuser in der Stadt eingezäunt. Sonst können sich die Nomaden überall niederlassen. Am Dorf erhalten die Menschen einen halben Hektar Grund, um sich etwa ein fixes Winterquartier zu bauen.

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Jurten

Selenga ist eine der größten der 21 Provinzen. Wir erreichten dann die drittgrößte Stadt der Monoglei, Darkhan. Hier gibt es Eisen- und Stahlindustrie, ein thermisches und ein Braunkohlekraftwerk, das die Stadt mit Energie versorgt. Außerdem wird noch gutes Geld mit Wolle und Teppichen gemacht, die in alle Welt exportiert werden. Die Industriestadt bieten mit seinen vielen sozialistischen Plattenbauten keinen besonders schönen Anblick und erinnerte mit eher an die alte Ortsdurchfahrt von Körmend. In den Außenbezirken gibt es nette kleine Siedlungen. Auf den eingezäunten Grundstücken stehen Haus und Jurte.

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Vorort von Darkhan

Um 16:00 Uhr gab es die heißersehnte Toilettenpause. Die Straßen waren immer schlechter geworden und bei voller Blase ist das nicht angenehm. Wir hatten großes Glück. Danach gab es für eine lange Strecke eigentlich überhaupt keine Straße mehr und alle Autos und LKW fuhren querfeldein wie bei der Rally Paris Dakar. In den nächsten Tagen wird die Ralley Russland China Mongolei starten. Wir konnten einen kurzen Einblick gewinnen, wie es sein würde. Kurz vor Ulan Bator wurde die Straße dann wieder besser.

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Ralley Paris Dakar

Wir hatten die Hauptstadt zwar gegen 18:00 Uhr erreicht. Doch kamen wir im Verkehr der Millionenstadt nur langsam voran. In einer Wechselstube hatten wir noch Geld gewechselt. Ein Euro sind etwa 3.000 Tukruk. Um 20:00 Uhr erreichten wir das Hotel, in dem wir unseren letzten 4 Nächte verbringen werden. Zum Abendessen besuchten wir ein Chinarestaurant, wo wir mit Stäbchen speisten.

Posted by fegoestranssib 16:45 Archived in Russia

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