A Travellerspoint blog

Tag 7

Ulaanbaatar - Im Jurtendorf bei den Nomaden

overcast 25 °C

Guten Morgen und es war ein guter bis ich um 07:15 Uhr zum Frühstück ging. Dort hatte eine große Gruppe Japaner den Speisesaal samt Buffet übernommen. Das Hotelpersonal war mit der Situation restlos überfordert. Eine kleine Kanne Kaffee sollte für über 100 Leute reichen? Es gab weder Teller noch Gläser und das Brot war noch kalt vom Auftauen. Aber ich ging zum Koch und ließ mir eine Omelette machen und aß süßes Brot dazu, was auch schmeckte und der Magen war voll. Der Bus stand schon vor der Tür und um punkt 08:00 Uhr ging die Reise zu dem Nomaden los.
Wieder mussten wir den Morgenstau der Millionenstadt überwinden, um in dieselbe Richtung zurückzufahren, aus der wir am Vorabend gekommen waren. Gestern war ich ja schon etwas müde gewesen, aber wir mussten wieder durch das Industrieviertel fahren und das war sicher das grässlichste, das ich je gesehen habe. Hier gibt es gleich mehrere Kohlekraftwerke und war da alles aus dem Schornstein dampft, möchte ich gar nicht wissen. Umweltschutz liegt hier in den Kinderschuhen.

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Ulan Bator Kohlekraftwerk

Wir hatten durch die Stadt ebenso lange gebraucht als für die 55 Kilometer, die wir sonst gefahren waren. Leider waren auch die schönen grünen Wiesen mit Plastikmüll übersät. Unsere Reiseleiterin sparte leider etwas an allgemeinen Informationen über Land und Leute. Trotzdem gibt es einige Informationen. Die Mongolei wird nur von zwei Staaten umschlossen – von Russland im Norden und China im Süden. Im Land, das viereinhalbmal so groß wie Deutschland ist, leben nur 3 Millionen Menschen. Damit zählt die Mongolei zu den am dünnsten besiedelten Ländern der Erde. Keine Stelle des Landes liegt unter 500 m Seehöhe. Die meisten Teile des Landes sind gebirgig, zählen zur Steppe oder zur Wüste Gobi. Deshalb wohnen 40 % der Bevölkerung in der Hauptstadt Ulanbatar. Ausgrabungen in der Gobi belegen, dass schon vor 500.000 Jahren Menschen auf dem Gebiet der heutigen Mongolei lebten. Zahlreiche guterhaltene Überreste von Dinosauriern beweisen jedoch, dass es schon immer Leben in diesem Gebiet gab.

Bekannteste Figur der Mongolei ist sicherlich Dschingis Khan, der 1206 das Mongolische Reich gründete, das sich über Asien bis nach Europa erstreckte und das größte territorial zusammenhängende Imperium der Menschheitsgeschichte darstellte. 1921 riss kurzfristig die Sowjetunion das Land an sich. Im Zuge der Revolutionen im Jahr 1989 vollzog das Land den friedlichen Übergang zu einem demokratisch-parlamentarischen Regierungssystem. Am 12. Februar 1992 besiegelte das Parlament mit der Annahme einer neuen Verfassung das Ende des kommunistischen Systems. 60 % der Bevölkerung sind Buddhisten oder Shamanisten.

Mittlerweile waren wir mit dem Bus mitten in der Steppe angelangt. Das Wort Steppe kommt eigentlich vom Russischen Wort „Step“, was so viel wie eine baumlose Graslandschaft bedeutet. Die größte Steppe der Welt zieht sich vom Burgenland beginnend über ganz Osteuropa nach Asien. Typisch dafür ist kontinentales Klima mit Winterkälte und sommerlicher Trockenheit. Am besten wachsen Gras und niedriges Heidekraut. Ursprünglich entstanden aus genau diesen Gräsern die meisten Getreidepflanzen. Da es zwar in der Steppe genügend Gras gab, zogen die Mongolen, die Nomaden waren, mit ihren Tieren von Weide zu Weide. Dadurch war es ihnen auch nicht möglich, eine fixe Behausung zu bauen. Daher bot die Jurte, was auf Türkisch so viel wie „Heim“ bedeutet die ideale Unterkunft, weil man sie schnell zusammenpacken und an einem anderen Ort aufstellen konnte. Laut den Nomaden, die wir besuchten, ist eine Jurte in einer Stunde abgebaut und kann auf 3 Lastenkarren verteilt, verstaut werden.

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Mongolische Steppe

Vorerst wurden wir von den Nomaden herzlich willkommen geheißen. Sie hatten uns mit den verschiedensten Tieren abgeholt: Pferd, Kamel und Jak. Leider hatte es einen leichten Schauer gegeben, aber wir hatten unser Wetterzeug mit. Einige von uns konnten sich ein Transportmittel aussuchen und sie ritten zum kleinen Nomadendorf, wo wir bereits von den Frauen erwartet wurden. Der Familienälteste würde uns alles über die Jurte, das Dorfleben und die Haltbarmachung der Lebensmittel erzählen.

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Reiter auf dem Jak

„Der Holzrahmen einer mongolischen Jurte besteht in der Regel aus mehreren, meist vier oder fünf schulterhohen Scherengittern für die Wand, die auseinandergezogen, aneinander gebunden und zusammen mit dem immer nach Süden weisenden Türrahmen im Kreis aufgestellt werden. In der Mitte tragen zwei etwa zwei bis drei Meter hohe Pfosten die „Krone“, einen runden Dachkranz. In Öffnungen am Rand der Krone werden gerade Dachstangen gesteckt und mit dem Wandgitter verbunden. Die Dachstangen haben in der Regel eine Neigung von etwa 30°. In den Türrahmen wird eine feste, hölzerne Tür eingesetzt anstelle des ehemals üblichen Filzvorhangs. Früher wurde dieses Gerüst auf den Steppenboden gestellt, heute steht es oft auf einem runden Bretterboden. Die Jurte ist jedoch nicht mit dem Boden verankert und auch nicht mittels Zeltschnüren und Heringen befestigt. Die Beschreibung aus dem Internet stimmt mit der Wirklichkeit genau überein.

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Mongolische Jurte

Die über diesem Gerüst angebrachte Abdeckung besteht aus mehreren Schichten: Zuunterst liegt ein dünnes, helles Baumwolltuch als Dachhimmel, darauf eine dicke Lage aus Wollfilz zur Wärmedämmung, die ursprünglich auch als wasserdichte Abdeckung diente. Im Winter werden drei oder gar vier Lagen Filz aufgelegt. Heute wird zur Abdichtung als dritte Schicht ein imprägniertes Segeltuch verwendet. Häufig wird darüber noch ein dünnes helles Tuch gelegt, überwiegend aus gestalterischen Gründen, teils mit aufgenähten farbigen Mustern. Um die Jurte werden zwei oder drei horizontale Seile gezurrt, ebenso einige Seile schräg über das Dach, so dass eine selbsttragende, stabile Konstruktion entsteht. Die Öffnungen der Krone können über ein langes Seil mit einem dreieckigen Segeltuch ganz oder teilweise geschlossen werden. Die unteren Ränder können für ein angenehmes Raumklima im Sommer hochgeschlagen werden. Von der Krone hängt ein Seil herab, an das bei Sturm ein schwerer Gegenstand (z.B. Sack) gehängt wird, um die Jurte durch ihr dadurch vergrößertes Eigengewicht zu stabilisieren und festzuhalten.

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Mongolische Jurte

In der Mitte der Jurte steht ein kleiner Herd (anstelle des früher üblichen offenen Feuers), dessen Ofenrohr durch die Krone ragt, ohne die Stoffabdeckung zu berühren, und ein niedriger Esstisch. Am Rand stehen Betten, die tagsüber als Sitzgelegenheit dienen, und ein oder zwei Kommoden. Seit neuestem findet sich vor mancher Jurte auch ein Solarmodul. Für den Transport einer solchen komfortableren Jurte wird ein Lkw bestellt.

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Mongolische Jurte

Die robuste mongolische Jurte mit geraden Dachstangen und zwei Mittelpfosten ist eine relativ moderne Form. Die ältere und leichtere Bauform mit über der Wand nach innen gebogenen Dachstangen ist außerhalb der Mongolei (z.B. Kasachstan, Kirgisistan) weiterhin in Gebrauch. Bei noch älteren Formen war die Öffnung in der Mitte nicht durch eine flache Krone abgeschlossen, sondern zylinderförmig nach oben aufgestülpt. Die dadurch erzeugte Kaminwirkung half mit, den Rauch der offenen Feuerstelle abzuführen.

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Dachöffnung im Jurtenrestaurant

Die Jurte spiegelt in ihrer Einrichtung die soziale und die spirituelle Ordnung der in ihr lebenden Menschen wider. Jedem Familienmitglied ist sein Platz und sein Wirkungsbereich in der Jurte genau zugewiesen. Raumaufteilung und Ausstattung sind hoch optimiert, um bei dem begrenzten Raum und den teils extremen klimatischen Bedingungen Kochen, Arbeiten, Wohnen und Schlafen zu ermöglichen. Eine Vielzahl von Verhaltensregeln ist zu beachten. Die einfacheren verlangen, dass man eine Jurte mit dem rechten Fuß betritt ohne die Schwelle zu berühren, sich im Inneren nicht länger als notwendig stehend aufhält und sich nicht zwischen den beiden Pfosten bewegt. So machten es auch wir, als wir eingeladen wurden, die Jurte zu betreten. Es war wirklich erstaunlich, wie viele Leute darin Platz hatten. Wir waren 3 große Gruppen und fast jeder hatte irgendeinen Sitzplatz.

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In der Jurte

Uns wurde erzählt, wie man Butter aus Jakmilch macht, die wir auch probieren konnten. Ebenso konnten wir Stutenmilch und Käfir verkosten. Der getrocknete Schafskäse schmeckte fast wie Parmesan. Und es gab auch getrocknetes Fleisch. Natürlich mussten sie auch ein Ständchen für uns darbringen mit ihren für uns ungewöhnlichen Instrumenten. Auch zeigten sie uns einige Spiele. Eines nennte sich Jak und es hatte sehr viel Ähnlichkeit mit dem Spiel Jacks, das ich in meiner Jugend gespielt hatte. Statt dem Ball verwendete man hier eine Kette und statt den eisernen Jacks Knochenteile.

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Ständchen der Nomaden

Zum Schluss zeigten sie uns noch wie schnell die Teile einer Jurte auf die Karren beladen waren und machten mit den Wägen einen Umzug durch das Dorf. Dann wurden wir noch mit Jakmilch gesegnet. Ich genoss die Gastfreundschaft dieser herzlichen Nomaden. Ich wünsch mir, dass sie noch lange Zeit ihr Leben in dieser Form gestalten können. Obwohl neue Jurten sind natürlich mit Solarzellen und SAT-Schüsseln ausgestattet. Die moderne Technik hat auch vor der einsamen Steppe nicht halt gemacht. Schade, dass wir in keinem solchen Jurtenhotel übernachten konnten. Es herrscht eine ganz angenehme Atmosphäre im Innenraum der Jurte.

Wir hatten allerdings in diesem Jurtenhotel die Gelegenheit eine mongolisches Essen zu genießen und ich muss sagte, dass mir die Teigtaschen des Hauptganges hervorragend geschmeckt haben.

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Mongolische Teigtaschen

Nur allzu schnell verging unsere Zeit in der „Einsamkeit“. Die Stadt mit ihren „sogenannten Annehmlichkeiten“ wartete auf uns. In fast allen kleinen Dörfern hatte man bereits begonnen, das Nadamfest zu feiern. Überall auf den Hügeln hatten sich Menschen mit Pferden versammelt und man übte schon fleißig auf den Rennstrecken.

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Vorbereitungen auf das Nadamfest

So wie die österreichischen Kaiser hatten auch die mongolischen Herrscher ihren Winter- und ihren Sommerpalast. Die riesige Anlage, die wir als nächstes besuchten, wurde von 1893-1906 erbaut. Er diente dem letzten mongolischen Kaiser Bogd Khan bis zur Aufgabe des Thrones im Jahre 1911 als Residenz. Der Komplex umfasst sechs Tempel. Viele seiner persönlichen Habseligkeiten konnten wir hier noch besichtigen. Der Palast wurde 1924 zum Eigentum des Staates ernannt und wurde 1961 zu einem Museum.

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Sommerpalast des Kaisers

Vor dem Konzert ging sich noch eine kleine Shopping-Tour mit dem Besuch einer Kaschmirfabrik aus. Danach wartete ein Kulturgenuss der besonderen Art im Staatstheater. Der besondere Kehlkopfgesang der Mongolen wurde in die UNESCO Liste als schützenswert eingetragen. Dann gab es noch eine junge Dame, die sich in alle Richtungen verdrehen konnte. Zum Abschluss kam das Philharmonische Orchester und gab verschiedene asiatische Stück, die wir alle nicht kannten zum besten. Aber zum Abschluss wurde die Trisch-Tratsch Polka und der Radetzky Marsch zu unseren Ehren gespielt.

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Mongolisches Nationaltheater

In einem nahegelegenen Restaurant stand dann ein mongolisches Menü für uns bereit. Es kam sogar unser Hoteldirektor vorbei und entschuldigte sich mit zwei Flaschen Wodka für das Chaos am Morgen. So endete der Abend feucht fröhlich.

Posted by fegoestranssib 16:45 Archived in Mongolia

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