A Travellerspoint blog

Tag 8

Im Land des Dschingis-Khan

sunny 24 °C

Es ist 23:00 Uhr und wir sind erst von unserem Ausflug zurückgekehrt. Deshalb gibt es heute nur einen Rohbericht. Bilder folgen irgendwann zu Hause. Geht mir gut - es ist alles in Ordnung. Auch für morgen gibt es ein geändertes Programm. Übermorgen geht es wieder nach Hause. Da startet der Tag um 04:00 Uhr. So wird es keinen Bericht geben bis ich zu Hause bin.

Heute hat es mit dem Frühstück sehr gut geklappt und wir konnten wieder pünktlich um 08:00 starten. Vorerst ging es mit dem Bus zum Hauptplatz. Dort machten wir eine kleine Runde zu Fuß. Hier ist die Stadt ganz nett. Am unteren Endes des großen Platzes hat man dem legendären Dschingis Khan ein großes Monument gebaut. Daran schließt das Parlament. Rund um diesem Platz findet man alle wichtigen Gebäude: das Rathaus, Zentrale der Gewerkschaft, große Banken, die Börse und die Oper. Ums Eck ist noch das Hauptpostamt, wo wir Postkarten und Marken kaufen konnten. Die Mongolei ist bekannt für schöne Briefmarken. Ich habe eine Postkarte geschrieben. Wegen der aufgeklebten Briefmarke mit dem Porträt von Marilyn Monroe musste ich nicht mal unterschreiben.

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Dschingis-Khan Monument am Hauptplatz

Am Hauptplatz bot sich auch die Möglichkeit, ein Gruppenfoto zu machen. Bald würden sich unsere Wege wieder trennen.

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Gruppenfoto am Hauptplatz Ulanbator

Nächster Besichtigungspunkt war das bedeutendste, buddhistische Kloster der Stadt, das Ghandan Kloster. Gebaut wurde das Kloster in der Mitte des 19. Jh. Hier wurde auch während der kommunistischen Herrschaft der Buddhismus ausgeübt. Das Kloster wurde trotzdem zerstört. In der Mitte befinden sich die ältesten Tempel. Immer links betreten und im Uhrzeigersinn durchgehen. Hier konnten wir den Mönchen bei ihrem Morgengebeten zuhören. Klingt wie eine Litanei oder Rosenkranzbeten – auf jeden Fall sehr beruhigend. Rund um den ältesten Tempel gibt es 108 Gebetsmühlen, die wir auch im Uhrzeigersinn zum Gehen brachten.

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Ghandan Kloster

Um die wiedergewonnene Unabhängigkeit und Freiheit zu feiern, wurde 1911 eine 26 Meter hohe, majestätisch vergoldete Innenstatue von Medjid Janraisig geschaffen, da die Russen die alte in kleine Teile zerlegt in die Sowjetunion geschafft hatten. Verarbeitet wurde das Beste vom Besten: 2100 verschiedene Edelsteine, 9 kg Gold, 25 kg Silber, 20 Tonnen Kupfer, 27 Tonnen Stahl, 15 Tonnen Gips und mehr als 30 Tonnen Zement. Außerdem ist die Statue mit 2 Millionen Mantras überzogen. Heute leben wieder mehrere hundert Lamas in Kloster, die buddhistische, astrologische und medizinische Schulen betreiben.

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Größter Buddha der Mongolei

Dann fuhren wir etwas über 2 Stunden in den etwa 60 km entfernten Gorchi Terelj Nationalpark, wo über 250 Vogelarten, Braunbären und Edelweiß beheimatet sind. Auf den Weg dorthin hatten wir in einem kleinen Dorf großes Glück. Dort fand gerade das große Ringen im Rahmen des Nahdam Festes statt. Wir hielten kurz an, um das Spektakel zu genießen. Das Spiel wurde von Menschenmassen umgeben, die die Kämpfenden anfeuerten. Der kurze Spaziergang tat auch gut.

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Ringen im Rahmen des Nahdam Festes

Auf der Fahrt durch die Steppe sah man immer wieder Steinhaufen in deren Mitte meist ein abgestorbener Baum stand. Um diesen Baum waren von den Naturgläubigen viele bunte Bänder gebunden worden. Auch werden die Steinhaufen immer größer, denn jeder soll drei Steine sammeln und diese während der Umrundung auf den Haufen legen.

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Steinhaufen der Naturgläubigen

Danach änderte sich die Landschaft. Es wurde gebirgig. Felsformationen tauchten vor uns auf. Immer wieder gab es in ihrer Nähe Jurtencamps. Leider gab es auch ganz hässliche Betonbunker, die teils fertig teils unfertig als Hotelbauten dienen sollten. Es ist erstaunlich, dass die Menschheit nicht lernt. Der beginnende mongolische Tourismus verunstaltet die Landschaft genauso, wie wir es in den Siebzigerjahren auf der Turracher Höhe gemacht hatten.

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Jurtencamp im NP Gorchi Terelj

Da es Mittag geworden war, hielten wir in einem solchen Jurtencamp, um dort im Restaurant ein Mittagessen einzunehmen. Wieder gab es hausgemachte Nudeln, die sehr gut schmeckten. Nach dem Essen blieb uns noch Zeit für einen kurzen Spaziergang. Ich ging auf Entdeckungsreise hinter das Haus, wo auf grünen Wiesen Kühe weideten. Ich sah Blumen blühen. Auf einmal sah ich zwischen den Gräsern kleine, weiße Blüten. Und tatsächlich hatte ich ein Edelweiß entdeckt. Unser Tourguide hatte mir zwar gesagt, dass es zu früh wäre, um blühende Edelweiß zu sehen, aber sie wurde eines Besseren belehrt. Im Sommer sind die Wiesen dann voll von diesen Blumen.

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Edelweiß im Nationalpark

Das 2.864 km² große Naturschutzgebiet liegt auf einer Seehöhe von etwa 1.600 m. Die ersten 20 km des seit 1995 bestehenden Parks werden touristisch genutzt. Besonders beliebt sind die verschiedenen Felsformationen bei den Kletterern. Eine der Hauptattraktionen ist „Melchi Chad“ – eine 24 m hohe außergewöhnlich geformte Steinformation, die bei genauerem Hinsehen, wie eine Schildkröte aussieht. Natürlich wird sie von vielen Besuchern bestiegen.

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Melchi Chad

Etwa 5 km mussten wir mit dem großen Bus auf der Schotterpiste fahren, um den angekündigten Tempel zu besuchen. Nach einem kurzen Spaziergang erreichten wir den Eingang zum Aryapala Tempel, der durch seine bunte Bemalung besonders beeindruckte. Hier hatten wir auch die Gelegenheit, an den Gebetsmühlen zu drehen. Das Drehen der Gebetsmühlen dient nach buddhistischer Überzeugung dazu, gutes Karma anzuhäufen. So hoffe ich, solches durch mein Tun zu erlangt zu haben. Da der Tempel nur über 100 Stufen, die in der prallen Sonne lagen, zu erreichen war, entschloss ich mich, nicht auf den Berg zu steigen.

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Aryapala Tempel

Stattdessen blieb ich mit zwei anderen Reiseteilnehmern am Talgrund, wo es herrlich duftende Wiesen voller bunter Blumen gab. Neben den Edelweißen, die ich bereits auf den Weiden zwischen den Kühen gesehen hatte, gab es orange und gelbe Blumen. Bei näherer Betrachtung stellte ich fest, dass es sich dabei um verschiedene Lilienarten handelte. Die orange Türkenbundlilie leuchtete von weitem. Dazwischen gab es auch gelbe Lilien. Lila Lupinen und Disteln machten alles bunter.

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Bunte Blumenwiese

Nach einer Stunde kehrten die Pilger wieder zurück und wir fuhren mit dem Bus weiter. Ob der legendäre Dschingis-Khan auch schon an Gebetsmühlen gedreht hatte und dadurch seine übernatürlichen Kräfte erlangte? Auf jeden Fall wurde auf einem 54 km südöstlich der mongolischen Hauptstadt gelegenen Hügels 2008 zum Anlass des 800. Jahrestages des Mongolischen Reiches zu Ehren seines Gründers Dschingis Khan, die 40 Meter hohe und 250 t schwere Reiterstatue errichtet. Die von dem Bildhauer Erdenebileg und dem Architekten Enkhjargal entworfene Statue kostete über 4,2 Millionen Dollar.

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Dschingis-Khan Statue

An dem Standort südlich des Flusses Tuul soll Dschingis Khan der Legende zufolge eine goldene Gerte gefunden haben. Die zurzeit weltgrößte Reiterstatue zeigt ihn auf dem Rücken eines Pferdes sitzend mit der Gerte in der rechten Hand. Die etwas furchterregend aussehende Skulptur wird von 36 Säulen umrundet, die die Khans des Mongolenreiches symbolisieren, die in der Zeit von Dschingis Khan bis Ligden Borjigin Khan regierten. Im Sockel hinter den Säulen ist das Besucherzentrum mit einem Museum. Man hat auch die Möglichkeit, bis auf die Aussichtsplattform, die auf dem Pferdekopf errichtet wurde, zu steigen, von wo aus man einen Panoramablick auf die umliegende Landschaft hat. Wir mussten zwar lange beim Lift anstehen, um hochzufahren, da der Lift nach dem Einsteigen der fünften Person sofort zu Piepsen anfing. Aber es hat sich gelohnt.

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Aussichtsplattform auf der Mähne

Danach war es Zeit, die Rückreise in die Stadt anzutreten. Eigentlich stand noch der Besuch eines Aussichtsberges auf dem Programm. Der Verkehr in der Stadt und die enge der Gassen erschwerten die Anreise dorthin enorm. Der große Bus konnte den halben Hügel nur im Rückwärtsgang bewältigen, da es auf dem Gipfel keine Umkehrmöglichkeit gab. Rund um den Aussichtsberg waren Hochhäuser im Bau und in Kürze wird man von dort oben keinen Blick mehr auf die Stadt haben können. Ich blieb im Bus sitzen und hoffte, dass alle bald wiederkehren würden. Die Sonne ging gerade unter, als wir den Hügel verließen.

Es war nämlich schon wieder Zeit in die Stadt zurückzukehren, wo auf uns in einem mongolischen Restaurant ein Abendessen wartete. Dort konnten wir unser Abendessen selber zusammenstellen. Verschiedene kleingeschnittene Fleisch- und Fischsorten und verschiedenes Gemüse war in Behältern zur Entnahme gekühlt. Auch gab es leckere Nachspeisen. Gegen 22:00 Uhr kehrten wir ins Hotel zurück. Es war sehr heiß im Sommer. Da es keine Klimaanlage gab, öffnete ich ein Fenster und begann meinen Tagesbericht zu schreiben. Die Luft, die hereinströmte, war zwar etwas kühler, aber roch nach bloßem Gift. Es kam wohl daher, dass es einige Kohlekraftwerke direkt in der Stadt gab. Da wurde mir es erst richtig bewusst, was es heißt, in einem Land mit guter, frischer Luft zu leben. So schwitzte ich lieber die kurze Nacht durch.

Posted by fegoestranssib 16:45 Archived in Mongolia

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