A Travellerspoint blog

Mongolia

Tag 9

Wilde Pferde

sunny 27 °C

Der letzte Tag unserer Reise ist angebrochen. Für heute steht eine leichte Tour auf dem Programm. Nachdem gestern die Gruppe einstimmig eine Programmänderung (sogar mit Unterschrift) beschlossen hatte, ging die Fahrt wieder Richtung Jurtendorf immer auf asphaltierter Straße etwa 100 km in die Steppe hinaus. Dann bogen wir von der Hauptstraße ab und fuhren wieder auf einer unbefestigten Piste quer durch die Pampa. Hier war ein stark landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Die Felder sind so groß, dass wenn der Bauer fertig ist mit dem Säen, dort wo er damit begonnen hatte, die Saat schon auf ist. Im Mai wird gesät und Ende September geerntet. Es werden alle Getreidesorten angebaut und Kartoffel und Gemüse auch. Die Felder, die heuer abgeerntet werden, liegen nächstes Jahr brach. Die Herden wandern drüber und düngen es dann für das nächste Jahr.

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Getreidefelder

Auf der anderen Seite der Felder wurde es immer sandiger. Wir hatten die, von der Reiseleiterin versprochene Sanddüne erreicht. Im südlichen Teil der Mongolei – etwa 300 km entfernt - breitet sich die Wüste Gobi aus. Sie besteht nicht nur aus den meist steinigen und seltener sandigen Wüsten in China, sondern auch aus den lebensfreundlicheren weiten Steppen in der Mongolei, in deren Ausläufer wir uns gerade befanden.

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Wüstenhaft

Nach dem Frühstück tat uns die kurze Wanderung durch das duftende Steppengras zu Sanddüne sehr gut. Quendel und Wermut waren die Verursacher des Duftes aber ebenso der wilde Schnittlauch, der hier wuchs. Kein Wunder, dass die Tiere so gut aussehen, wenn sie solcher Leckerbissen bekommen. Bald schon hatten wir den Gipfel, der paar Meter hohen Düne erreicht, von wo wir eine schöne Aussicht auf die Umgebung und unseren Bus, der Mitten in der Pampa stand, hatten.

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Sanddüne in der Steppe

Dann setzten wir unsere Fahrt auf der unbefestigten Piste fort. Immer wieder wackelte der Bus hin und her und denen in der ersten Reihe wurde schon ganz schlecht, als sie zusehen mussten, wie unsere Fahrer mal da mal dort den Löchern oder entgegenkommender Fahrzeuge auswich. Immerhin mussten wir eine Strecke von 12 km hinter uns bringen, bevor wir die Tore des Nationalparks Hustai erreichten.

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Eingang Hustai Biosphärenpark

Dort warteten schon drei Kleinbusse auf uns. Unser großer Bus würde den restlichen Weg durch den Park nicht schaffen. Vorerst konnten wir aber auf die Toilette (mit voller Blase wäre die Fahrt sehr unangenehm) und im Nationalparkzentrum erhielten wir einige Infos über Park und die hier vorkommenden Przewalski Pferde. Zunächst wurden 1993 50.000 ha des Chustian-Nuruu-Gebietes zur Schutzzone erklärt. Dann wurde 2003 von der Stiftung Hustai National Park Trust in Zusammenarbeit mit dem mongolischen Ministerium für Natur und Umwelt der Nationalpark Hustai gegründet durch den der Tuul Fluss fließt. Der Park wird heute von NGO betrieben. Neben den wieder angesiedelten Przewalski-Wildpferden kommen im Park auch Sibirische Wapitis, Mongoleigazellen, Rehe, Argalis, Sibirische Steinböcke, Wildschweine, Wölfe, Luchse, Manuls, Steppenfüchse, Rotfüchse, Dachse und Murmeltiere vor. Unter den 127 Vogelarten des Parks sind Steinadler, Bartgeier und Schwarzstörche hervorzuheben.

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Tiere in der Steppe

Als besonders selten gilt das Przewalski Pferd, das im Mongolischen auch Takhi genannt wird. Das Pferd ist nach dem russischen Expeditionsreisenden Nikolai Michailowitsch Prschewalski benannt, der 1878 die Pferde wissenschaftlich untersucht hatte. Leider starben diese Pferde 1969 aus. Nur dadurch, dass man sie davor in freier Wildbahn gefangen hatte, konnte man mit den in verschiedenen Zoos in Europa (Köln, Schönbrunn und Hagenbeck) so viele züchten, dass sie hier wieder ausgewildert werden konnten. Das Pferd soll auch am Ufer des Neusiedler Sees heimisch gewesen sein und man hat auch hier versucht, das Tier wieder anzusiedeln.

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Przewalski Pferd

Wir fuhren etwa eine halbe Stunde auf der Schotterpiste durch gebirgiges Steppenland. Hier zwischen den Felsen wuchsen das Steppengras und die Kräuter besonders üppig. Immer wieder sahen wir einen Hasen, der sich durch uns gestört fühlte und die Flucht in seinen Bau ergriff. Einmal sah man auf der einen Seite ein aufgescheuchtes Erdhörnchen, einmal ein Reh auf der anderen Seite des Jeeps. Dann erreichten wir einen Parkplatz, wo ein Jäger ein Fernrohr am Stativ aufgebaut hatte. Als wir ausstiegen, bildete sich unter unserem Auto eine große Lacke. Es stellte sich heraus, dass der Kühler kaputt war und die Gangschaltung nicht mehr richtig funktionierte. Ein Ersatzwagen würde schon starten.

In der Zwischenzeit begaben wir uns zum Ranger mit dem Fernglas. Der hatte bereits einige dieser seltenen Pferde gesichtet und dass Rohr auf sie gerichtet. Auf einem hohen Kamm gegenüber stand eines dieser Prachttiere wie eine versteinerte Statue und wartete darauf von und fotografiert zu werden. Es brauchte eine Weile, bis ich das Tier mit dem Tele gefunden hatte und schussbereit war.

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Przewalski Pferd

Dann aber richtete sich unsere ganze Aufmerksamkeit auf die andere Seite. Diese wilden Pferde halten sich am liebsten zwischen den Felsen in den hohen Bergen auf, wo man sie wegen ihrer Tarnfarbe kaum ausmachen kann. Es war die Rede von einem Rudel. Mindestens sechs Stück sollten zu sehen sein. Bei einem Blick durch das Fernrohr konnten wir uns davon überzeugen, dass sie sich tatsächlich knapp unter dem Gipfel aufhielten. Durch Tele und Fernrohr schossen wir dann unser Foto. Dann wurden am nächsten Gipfel einige gesichtet. Sie konnten sich wie Gemsen über die Steine bewegen.

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Przewalski Pferde

In der Zwischenzeit war unser Ersatzauto eingetroffen. Das hatte weniger Sitzplätze als das erste Auto. So mussten wir uns auf die anderen Autos aufteilen. Wir nahmen wieder denselben weg zurück ins Camp. Dort angekommen erhielten wir ein Mittagessen in einem Jurtenrestaurant. Nach dem Essen konnten wir einen kurzen Spaziergang machen. Am späten Nachmittag kehrten wir dann in die mongolische Hauptstadt zurück. Der nächste Tag – Tag der Heimreise – würde früh starten.

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Tag 8

Im Land des Dschingis-Khan

sunny 24 °C

Es ist 23:00 Uhr und wir sind erst von unserem Ausflug zurückgekehrt. Deshalb gibt es heute nur einen Rohbericht. Bilder folgen irgendwann zu Hause. Geht mir gut - es ist alles in Ordnung. Auch für morgen gibt es ein geändertes Programm. Übermorgen geht es wieder nach Hause. Da startet der Tag um 04:00 Uhr. So wird es keinen Bericht geben bis ich zu Hause bin.

Heute hat es mit dem Frühstück sehr gut geklappt und wir konnten wieder pünktlich um 08:00 starten. Vorerst ging es mit dem Bus zum Hauptplatz. Dort machten wir eine kleine Runde zu Fuß. Hier ist die Stadt ganz nett. Am unteren Endes des großen Platzes hat man dem legendären Dschingis Khan ein großes Monument gebaut. Daran schließt das Parlament. Rund um diesem Platz findet man alle wichtigen Gebäude: das Rathaus, Zentrale der Gewerkschaft, große Banken, die Börse und die Oper. Ums Eck ist noch das Hauptpostamt, wo wir Postkarten und Marken kaufen konnten. Die Mongolei ist bekannt für schöne Briefmarken. Ich habe eine Postkarte geschrieben. Wegen der aufgeklebten Briefmarke mit dem Porträt von Marilyn Monroe musste ich nicht mal unterschreiben.

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Dschingis-Khan Monument am Hauptplatz

Am Hauptplatz bot sich auch die Möglichkeit, ein Gruppenfoto zu machen. Bald würden sich unsere Wege wieder trennen.

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Gruppenfoto am Hauptplatz Ulanbator

Nächster Besichtigungspunkt war das bedeutendste, buddhistische Kloster der Stadt, das Ghandan Kloster. Gebaut wurde das Kloster in der Mitte des 19. Jh. Hier wurde auch während der kommunistischen Herrschaft der Buddhismus ausgeübt. Das Kloster wurde trotzdem zerstört. In der Mitte befinden sich die ältesten Tempel. Immer links betreten und im Uhrzeigersinn durchgehen. Hier konnten wir den Mönchen bei ihrem Morgengebeten zuhören. Klingt wie eine Litanei oder Rosenkranzbeten – auf jeden Fall sehr beruhigend. Rund um den ältesten Tempel gibt es 108 Gebetsmühlen, die wir auch im Uhrzeigersinn zum Gehen brachten.

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Ghandan Kloster

Um die wiedergewonnene Unabhängigkeit und Freiheit zu feiern, wurde 1911 eine 26 Meter hohe, majestätisch vergoldete Innenstatue von Medjid Janraisig geschaffen, da die Russen die alte in kleine Teile zerlegt in die Sowjetunion geschafft hatten. Verarbeitet wurde das Beste vom Besten: 2100 verschiedene Edelsteine, 9 kg Gold, 25 kg Silber, 20 Tonnen Kupfer, 27 Tonnen Stahl, 15 Tonnen Gips und mehr als 30 Tonnen Zement. Außerdem ist die Statue mit 2 Millionen Mantras überzogen. Heute leben wieder mehrere hundert Lamas in Kloster, die buddhistische, astrologische und medizinische Schulen betreiben.

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Größter Buddha der Mongolei

Dann fuhren wir etwas über 2 Stunden in den etwa 60 km entfernten Gorchi Terelj Nationalpark, wo über 250 Vogelarten, Braunbären und Edelweiß beheimatet sind. Auf den Weg dorthin hatten wir in einem kleinen Dorf großes Glück. Dort fand gerade das große Ringen im Rahmen des Nahdam Festes statt. Wir hielten kurz an, um das Spektakel zu genießen. Das Spiel wurde von Menschenmassen umgeben, die die Kämpfenden anfeuerten. Der kurze Spaziergang tat auch gut.

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Ringen im Rahmen des Nahdam Festes

Auf der Fahrt durch die Steppe sah man immer wieder Steinhaufen in deren Mitte meist ein abgestorbener Baum stand. Um diesen Baum waren von den Naturgläubigen viele bunte Bänder gebunden worden. Auch werden die Steinhaufen immer größer, denn jeder soll drei Steine sammeln und diese während der Umrundung auf den Haufen legen.

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Steinhaufen der Naturgläubigen

Danach änderte sich die Landschaft. Es wurde gebirgig. Felsformationen tauchten vor uns auf. Immer wieder gab es in ihrer Nähe Jurtencamps. Leider gab es auch ganz hässliche Betonbunker, die teils fertig teils unfertig als Hotelbauten dienen sollten. Es ist erstaunlich, dass die Menschheit nicht lernt. Der beginnende mongolische Tourismus verunstaltet die Landschaft genauso, wie wir es in den Siebzigerjahren auf der Turracher Höhe gemacht hatten.

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Jurtencamp im NP Gorchi Terelj

Da es Mittag geworden war, hielten wir in einem solchen Jurtencamp, um dort im Restaurant ein Mittagessen einzunehmen. Wieder gab es hausgemachte Nudeln, die sehr gut schmeckten. Nach dem Essen blieb uns noch Zeit für einen kurzen Spaziergang. Ich ging auf Entdeckungsreise hinter das Haus, wo auf grünen Wiesen Kühe weideten. Ich sah Blumen blühen. Auf einmal sah ich zwischen den Gräsern kleine, weiße Blüten. Und tatsächlich hatte ich ein Edelweiß entdeckt. Unser Tourguide hatte mir zwar gesagt, dass es zu früh wäre, um blühende Edelweiß zu sehen, aber sie wurde eines Besseren belehrt. Im Sommer sind die Wiesen dann voll von diesen Blumen.

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Edelweiß im Nationalpark

Das 2.864 km² große Naturschutzgebiet liegt auf einer Seehöhe von etwa 1.600 m. Die ersten 20 km des seit 1995 bestehenden Parks werden touristisch genutzt. Besonders beliebt sind die verschiedenen Felsformationen bei den Kletterern. Eine der Hauptattraktionen ist „Melchi Chad“ – eine 24 m hohe außergewöhnlich geformte Steinformation, die bei genauerem Hinsehen, wie eine Schildkröte aussieht. Natürlich wird sie von vielen Besuchern bestiegen.

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Melchi Chad

Etwa 5 km mussten wir mit dem großen Bus auf der Schotterpiste fahren, um den angekündigten Tempel zu besuchen. Nach einem kurzen Spaziergang erreichten wir den Eingang zum Aryapala Tempel, der durch seine bunte Bemalung besonders beeindruckte. Hier hatten wir auch die Gelegenheit, an den Gebetsmühlen zu drehen. Das Drehen der Gebetsmühlen dient nach buddhistischer Überzeugung dazu, gutes Karma anzuhäufen. So hoffe ich, solches durch mein Tun zu erlangt zu haben. Da der Tempel nur über 100 Stufen, die in der prallen Sonne lagen, zu erreichen war, entschloss ich mich, nicht auf den Berg zu steigen.

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Aryapala Tempel

Stattdessen blieb ich mit zwei anderen Reiseteilnehmern am Talgrund, wo es herrlich duftende Wiesen voller bunter Blumen gab. Neben den Edelweißen, die ich bereits auf den Weiden zwischen den Kühen gesehen hatte, gab es orange und gelbe Blumen. Bei näherer Betrachtung stellte ich fest, dass es sich dabei um verschiedene Lilienarten handelte. Die orange Türkenbundlilie leuchtete von weitem. Dazwischen gab es auch gelbe Lilien. Lila Lupinen und Disteln machten alles bunter.

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Bunte Blumenwiese

Nach einer Stunde kehrten die Pilger wieder zurück und wir fuhren mit dem Bus weiter. Ob der legendäre Dschingis-Khan auch schon an Gebetsmühlen gedreht hatte und dadurch seine übernatürlichen Kräfte erlangte? Auf jeden Fall wurde auf einem 54 km südöstlich der mongolischen Hauptstadt gelegenen Hügels 2008 zum Anlass des 800. Jahrestages des Mongolischen Reiches zu Ehren seines Gründers Dschingis Khan, die 40 Meter hohe und 250 t schwere Reiterstatue errichtet. Die von dem Bildhauer Erdenebileg und dem Architekten Enkhjargal entworfene Statue kostete über 4,2 Millionen Dollar.

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Dschingis-Khan Statue

An dem Standort südlich des Flusses Tuul soll Dschingis Khan der Legende zufolge eine goldene Gerte gefunden haben. Die zurzeit weltgrößte Reiterstatue zeigt ihn auf dem Rücken eines Pferdes sitzend mit der Gerte in der rechten Hand. Die etwas furchterregend aussehende Skulptur wird von 36 Säulen umrundet, die die Khans des Mongolenreiches symbolisieren, die in der Zeit von Dschingis Khan bis Ligden Borjigin Khan regierten. Im Sockel hinter den Säulen ist das Besucherzentrum mit einem Museum. Man hat auch die Möglichkeit, bis auf die Aussichtsplattform, die auf dem Pferdekopf errichtet wurde, zu steigen, von wo aus man einen Panoramablick auf die umliegende Landschaft hat. Wir mussten zwar lange beim Lift anstehen, um hochzufahren, da der Lift nach dem Einsteigen der fünften Person sofort zu Piepsen anfing. Aber es hat sich gelohnt.

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Aussichtsplattform auf der Mähne

Danach war es Zeit, die Rückreise in die Stadt anzutreten. Eigentlich stand noch der Besuch eines Aussichtsberges auf dem Programm. Der Verkehr in der Stadt und die enge der Gassen erschwerten die Anreise dorthin enorm. Der große Bus konnte den halben Hügel nur im Rückwärtsgang bewältigen, da es auf dem Gipfel keine Umkehrmöglichkeit gab. Rund um den Aussichtsberg waren Hochhäuser im Bau und in Kürze wird man von dort oben keinen Blick mehr auf die Stadt haben können. Ich blieb im Bus sitzen und hoffte, dass alle bald wiederkehren würden. Die Sonne ging gerade unter, als wir den Hügel verließen.

Es war nämlich schon wieder Zeit in die Stadt zurückzukehren, wo auf uns in einem mongolischen Restaurant ein Abendessen wartete. Dort konnten wir unser Abendessen selber zusammenstellen. Verschiedene kleingeschnittene Fleisch- und Fischsorten und verschiedenes Gemüse war in Behältern zur Entnahme gekühlt. Auch gab es leckere Nachspeisen. Gegen 22:00 Uhr kehrten wir ins Hotel zurück. Es war sehr heiß im Sommer. Da es keine Klimaanlage gab, öffnete ich ein Fenster und begann meinen Tagesbericht zu schreiben. Die Luft, die hereinströmte, war zwar etwas kühler, aber roch nach bloßem Gift. Es kam wohl daher, dass es einige Kohlekraftwerke direkt in der Stadt gab. Da wurde mir es erst richtig bewusst, was es heißt, in einem Land mit guter, frischer Luft zu leben. So schwitzte ich lieber die kurze Nacht durch.

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Tag 7

Ulaanbaatar - Im Jurtendorf bei den Nomaden

overcast 25 °C

Guten Morgen und es war ein guter bis ich um 07:15 Uhr zum Frühstück ging. Dort hatte eine große Gruppe Japaner den Speisesaal samt Buffet übernommen. Das Hotelpersonal war mit der Situation restlos überfordert. Eine kleine Kanne Kaffee sollte für über 100 Leute reichen? Es gab weder Teller noch Gläser und das Brot war noch kalt vom Auftauen. Aber ich ging zum Koch und ließ mir eine Omelette machen und aß süßes Brot dazu, was auch schmeckte und der Magen war voll. Der Bus stand schon vor der Tür und um punkt 08:00 Uhr ging die Reise zu dem Nomaden los.
Wieder mussten wir den Morgenstau der Millionenstadt überwinden, um in dieselbe Richtung zurückzufahren, aus der wir am Vorabend gekommen waren. Gestern war ich ja schon etwas müde gewesen, aber wir mussten wieder durch das Industrieviertel fahren und das war sicher das grässlichste, das ich je gesehen habe. Hier gibt es gleich mehrere Kohlekraftwerke und war da alles aus dem Schornstein dampft, möchte ich gar nicht wissen. Umweltschutz liegt hier in den Kinderschuhen.

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Ulan Bator Kohlekraftwerk

Wir hatten durch die Stadt ebenso lange gebraucht als für die 55 Kilometer, die wir sonst gefahren waren. Leider waren auch die schönen grünen Wiesen mit Plastikmüll übersät. Unsere Reiseleiterin sparte leider etwas an allgemeinen Informationen über Land und Leute. Trotzdem gibt es einige Informationen. Die Mongolei wird nur von zwei Staaten umschlossen – von Russland im Norden und China im Süden. Im Land, das viereinhalbmal so groß wie Deutschland ist, leben nur 3 Millionen Menschen. Damit zählt die Mongolei zu den am dünnsten besiedelten Ländern der Erde. Keine Stelle des Landes liegt unter 500 m Seehöhe. Die meisten Teile des Landes sind gebirgig, zählen zur Steppe oder zur Wüste Gobi. Deshalb wohnen 40 % der Bevölkerung in der Hauptstadt Ulanbatar. Ausgrabungen in der Gobi belegen, dass schon vor 500.000 Jahren Menschen auf dem Gebiet der heutigen Mongolei lebten. Zahlreiche guterhaltene Überreste von Dinosauriern beweisen jedoch, dass es schon immer Leben in diesem Gebiet gab.

Bekannteste Figur der Mongolei ist sicherlich Dschingis Khan, der 1206 das Mongolische Reich gründete, das sich über Asien bis nach Europa erstreckte und das größte territorial zusammenhängende Imperium der Menschheitsgeschichte darstellte. 1921 riss kurzfristig die Sowjetunion das Land an sich. Im Zuge der Revolutionen im Jahr 1989 vollzog das Land den friedlichen Übergang zu einem demokratisch-parlamentarischen Regierungssystem. Am 12. Februar 1992 besiegelte das Parlament mit der Annahme einer neuen Verfassung das Ende des kommunistischen Systems. 60 % der Bevölkerung sind Buddhisten oder Shamanisten.

Mittlerweile waren wir mit dem Bus mitten in der Steppe angelangt. Das Wort Steppe kommt eigentlich vom Russischen Wort „Step“, was so viel wie eine baumlose Graslandschaft bedeutet. Die größte Steppe der Welt zieht sich vom Burgenland beginnend über ganz Osteuropa nach Asien. Typisch dafür ist kontinentales Klima mit Winterkälte und sommerlicher Trockenheit. Am besten wachsen Gras und niedriges Heidekraut. Ursprünglich entstanden aus genau diesen Gräsern die meisten Getreidepflanzen. Da es zwar in der Steppe genügend Gras gab, zogen die Mongolen, die Nomaden waren, mit ihren Tieren von Weide zu Weide. Dadurch war es ihnen auch nicht möglich, eine fixe Behausung zu bauen. Daher bot die Jurte, was auf Türkisch so viel wie „Heim“ bedeutet die ideale Unterkunft, weil man sie schnell zusammenpacken und an einem anderen Ort aufstellen konnte. Laut den Nomaden, die wir besuchten, ist eine Jurte in einer Stunde abgebaut und kann auf 3 Lastenkarren verteilt, verstaut werden.

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Mongolische Steppe

Vorerst wurden wir von den Nomaden herzlich willkommen geheißen. Sie hatten uns mit den verschiedensten Tieren abgeholt: Pferd, Kamel und Jak. Leider hatte es einen leichten Schauer gegeben, aber wir hatten unser Wetterzeug mit. Einige von uns konnten sich ein Transportmittel aussuchen und sie ritten zum kleinen Nomadendorf, wo wir bereits von den Frauen erwartet wurden. Der Familienälteste würde uns alles über die Jurte, das Dorfleben und die Haltbarmachung der Lebensmittel erzählen.

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Reiter auf dem Jak

„Der Holzrahmen einer mongolischen Jurte besteht in der Regel aus mehreren, meist vier oder fünf schulterhohen Scherengittern für die Wand, die auseinandergezogen, aneinander gebunden und zusammen mit dem immer nach Süden weisenden Türrahmen im Kreis aufgestellt werden. In der Mitte tragen zwei etwa zwei bis drei Meter hohe Pfosten die „Krone“, einen runden Dachkranz. In Öffnungen am Rand der Krone werden gerade Dachstangen gesteckt und mit dem Wandgitter verbunden. Die Dachstangen haben in der Regel eine Neigung von etwa 30°. In den Türrahmen wird eine feste, hölzerne Tür eingesetzt anstelle des ehemals üblichen Filzvorhangs. Früher wurde dieses Gerüst auf den Steppenboden gestellt, heute steht es oft auf einem runden Bretterboden. Die Jurte ist jedoch nicht mit dem Boden verankert und auch nicht mittels Zeltschnüren und Heringen befestigt. Die Beschreibung aus dem Internet stimmt mit der Wirklichkeit genau überein.

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Mongolische Jurte

Die über diesem Gerüst angebrachte Abdeckung besteht aus mehreren Schichten: Zuunterst liegt ein dünnes, helles Baumwolltuch als Dachhimmel, darauf eine dicke Lage aus Wollfilz zur Wärmedämmung, die ursprünglich auch als wasserdichte Abdeckung diente. Im Winter werden drei oder gar vier Lagen Filz aufgelegt. Heute wird zur Abdichtung als dritte Schicht ein imprägniertes Segeltuch verwendet. Häufig wird darüber noch ein dünnes helles Tuch gelegt, überwiegend aus gestalterischen Gründen, teils mit aufgenähten farbigen Mustern. Um die Jurte werden zwei oder drei horizontale Seile gezurrt, ebenso einige Seile schräg über das Dach, so dass eine selbsttragende, stabile Konstruktion entsteht. Die Öffnungen der Krone können über ein langes Seil mit einem dreieckigen Segeltuch ganz oder teilweise geschlossen werden. Die unteren Ränder können für ein angenehmes Raumklima im Sommer hochgeschlagen werden. Von der Krone hängt ein Seil herab, an das bei Sturm ein schwerer Gegenstand (z.B. Sack) gehängt wird, um die Jurte durch ihr dadurch vergrößertes Eigengewicht zu stabilisieren und festzuhalten.

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Mongolische Jurte

In der Mitte der Jurte steht ein kleiner Herd (anstelle des früher üblichen offenen Feuers), dessen Ofenrohr durch die Krone ragt, ohne die Stoffabdeckung zu berühren, und ein niedriger Esstisch. Am Rand stehen Betten, die tagsüber als Sitzgelegenheit dienen, und ein oder zwei Kommoden. Seit neuestem findet sich vor mancher Jurte auch ein Solarmodul. Für den Transport einer solchen komfortableren Jurte wird ein Lkw bestellt.

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Mongolische Jurte

Die robuste mongolische Jurte mit geraden Dachstangen und zwei Mittelpfosten ist eine relativ moderne Form. Die ältere und leichtere Bauform mit über der Wand nach innen gebogenen Dachstangen ist außerhalb der Mongolei (z.B. Kasachstan, Kirgisistan) weiterhin in Gebrauch. Bei noch älteren Formen war die Öffnung in der Mitte nicht durch eine flache Krone abgeschlossen, sondern zylinderförmig nach oben aufgestülpt. Die dadurch erzeugte Kaminwirkung half mit, den Rauch der offenen Feuerstelle abzuführen.

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Dachöffnung im Jurtenrestaurant

Die Jurte spiegelt in ihrer Einrichtung die soziale und die spirituelle Ordnung der in ihr lebenden Menschen wider. Jedem Familienmitglied ist sein Platz und sein Wirkungsbereich in der Jurte genau zugewiesen. Raumaufteilung und Ausstattung sind hoch optimiert, um bei dem begrenzten Raum und den teils extremen klimatischen Bedingungen Kochen, Arbeiten, Wohnen und Schlafen zu ermöglichen. Eine Vielzahl von Verhaltensregeln ist zu beachten. Die einfacheren verlangen, dass man eine Jurte mit dem rechten Fuß betritt ohne die Schwelle zu berühren, sich im Inneren nicht länger als notwendig stehend aufhält und sich nicht zwischen den beiden Pfosten bewegt. So machten es auch wir, als wir eingeladen wurden, die Jurte zu betreten. Es war wirklich erstaunlich, wie viele Leute darin Platz hatten. Wir waren 3 große Gruppen und fast jeder hatte irgendeinen Sitzplatz.

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In der Jurte

Uns wurde erzählt, wie man Butter aus Jakmilch macht, die wir auch probieren konnten. Ebenso konnten wir Stutenmilch und Käfir verkosten. Der getrocknete Schafskäse schmeckte fast wie Parmesan. Und es gab auch getrocknetes Fleisch. Natürlich mussten sie auch ein Ständchen für uns darbringen mit ihren für uns ungewöhnlichen Instrumenten. Auch zeigten sie uns einige Spiele. Eines nennte sich Jak und es hatte sehr viel Ähnlichkeit mit dem Spiel Jacks, das ich in meiner Jugend gespielt hatte. Statt dem Ball verwendete man hier eine Kette und statt den eisernen Jacks Knochenteile.

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Ständchen der Nomaden

Zum Schluss zeigten sie uns noch wie schnell die Teile einer Jurte auf die Karren beladen waren und machten mit den Wägen einen Umzug durch das Dorf. Dann wurden wir noch mit Jakmilch gesegnet. Ich genoss die Gastfreundschaft dieser herzlichen Nomaden. Ich wünsch mir, dass sie noch lange Zeit ihr Leben in dieser Form gestalten können. Obwohl neue Jurten sind natürlich mit Solarzellen und SAT-Schüsseln ausgestattet. Die moderne Technik hat auch vor der einsamen Steppe nicht halt gemacht. Schade, dass wir in keinem solchen Jurtenhotel übernachten konnten. Es herrscht eine ganz angenehme Atmosphäre im Innenraum der Jurte.

Wir hatten allerdings in diesem Jurtenhotel die Gelegenheit eine mongolisches Essen zu genießen und ich muss sagte, dass mir die Teigtaschen des Hauptganges hervorragend geschmeckt haben.

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Mongolische Teigtaschen

Nur allzu schnell verging unsere Zeit in der „Einsamkeit“. Die Stadt mit ihren „sogenannten Annehmlichkeiten“ wartete auf uns. In fast allen kleinen Dörfern hatte man bereits begonnen, das Nadamfest zu feiern. Überall auf den Hügeln hatten sich Menschen mit Pferden versammelt und man übte schon fleißig auf den Rennstrecken.

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Vorbereitungen auf das Nadamfest

So wie die österreichischen Kaiser hatten auch die mongolischen Herrscher ihren Winter- und ihren Sommerpalast. Die riesige Anlage, die wir als nächstes besuchten, wurde von 1893-1906 erbaut. Er diente dem letzten mongolischen Kaiser Bogd Khan bis zur Aufgabe des Thrones im Jahre 1911 als Residenz. Der Komplex umfasst sechs Tempel. Viele seiner persönlichen Habseligkeiten konnten wir hier noch besichtigen. Der Palast wurde 1924 zum Eigentum des Staates ernannt und wurde 1961 zu einem Museum.

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Sommerpalast des Kaisers

Vor dem Konzert ging sich noch eine kleine Shopping-Tour mit dem Besuch einer Kaschmirfabrik aus. Danach wartete ein Kulturgenuss der besonderen Art im Staatstheater. Der besondere Kehlkopfgesang der Mongolen wurde in die UNESCO Liste als schützenswert eingetragen. Dann gab es noch eine junge Dame, die sich in alle Richtungen verdrehen konnte. Zum Abschluss kam das Philharmonische Orchester und gab verschiedene asiatische Stück, die wir alle nicht kannten zum besten. Aber zum Abschluss wurde die Trisch-Tratsch Polka und der Radetzky Marsch zu unseren Ehren gespielt.

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Mongolisches Nationaltheater

In einem nahegelegenen Restaurant stand dann ein mongolisches Menü für uns bereit. Es kam sogar unser Hoteldirektor vorbei und entschuldigte sich mit zwei Flaschen Wodka für das Chaos am Morgen. So endete der Abend feucht fröhlich.

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