A Travellerspoint blog

Russia

Tag 6

Grenzkontrollen

sunny 31 °C

Heute hätten wir wieder vom Bus auf die Bahn umsteigen sollen. Leider haben wir mit dem tatsächlichen Programm die Nachricht erhalten, dass wegen einer Fahrplanänderung die Zugfahrt und somit auch die Nächtigung im Zug von Ulan Ude nach Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei ausfällt. Dieser Zug fährt nämlich nur zwei Mal wöchentlich und der nächste würde aber erst wieder am Freitag fahren. Ich weiß nicht, wer die Reise bei THV geplant hatte, aber der lag bei einigen Dingen falsch. Schade, dass eine Reise als Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn großartig angeboten wird und die leider nur 6 Stunden darin verbracht haben. Wir konnten die Strecke leider nur mit dem Bus zurücklegen und im Hotel in Ulaanbaatar übernachten.

Wir starteten nach dem Frühstück um 7:00 Uhr. Es war am Vortag bereits ein mongolischer Bus mit unserer Reiseleiterin angekommen. Mit diesem Bus würden wir die 650 km nach Ulan Ude zurücklegen. An der Rezeption lagen Lunchpakete für uns bereit. Vorerst fuhren wir dieselbe Strecke wie zum Kloster am Vortag. Danach weitete sich das Land und die Steppe begann. Man kann die Weite und die Schönheit der Graslandschaft weder beschreiben noch am Foto festhalten. Ich fand es auf jeden Fall faszinierend.

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Steppenlandschaft in Buratien

Hier hatte das Frühjahr gerade erst begonnen. Deshalb waren auch alle Felder frisch umgebaut. Durch den leichten Regen der Vorwoche war alles grün geworden und zwischen dem Steppengras blühte es farbenprächtig. Im September ist nochmals dieselbe Reise ausgeschrieben. Dort wird wegen der über den Sommer anhaltenden Hitze wohl alles Braun sein. Für mich war das Landschaftsbild allerdings herrlich.

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Landwirtschaft

Auf den großen Wiesen weideten große Herden von Kühen. Teilweise sah es auch aus wie bei uns auf der Alm. Die Straße, die zur Grenz führte, war auf russischer Seite erstaunlich gut. So konnten wir gutes Tempo machen. Nach etwa zwei Stunden hielten wir für einen Boxenstopp. Hier gab es Toiletten, wie wir sie früher von Italien her kannten. Sie würden aber die letzten für längere Zeit werden. Noch hatten wir etwa 220 Kilometer bis zur Grenze.

Viel lieber wäre ich wirklich mit dem Zug gefahren. Dann kann man sich wenigstens zwischendurch etwas bewegen. Auch war unsere mongolische Reiseleiterin nicht sehr gesprächig oder wollte oder konnte sie uns nichts über ihr Nachbarland erzählen. Deshalb möchte ich es euch aber trotzdem nicht vorenthalten, wie es gewesen wäre und euch auch ein wenig über die Ausstattung der Züge erzählen. In der Regel gibt es in russischen Zügen drei Klassen mit 2 oder 4-Bettabteilen oder in der dritten Klasse mit Großraumliegewagen. Am Ende jedes Wagens befinden sich ein Waschraum und eine Toilette. Dort gibt es auch ein Samovar, wo jederzeit kostenlos heißes Wasser bezogen werden kann. Bettwäsche ist im Ticketpreis enthalten; man muss das Bett jedoch selber beziehen. Wichtigste Person im Zug ist der Schaffner, der für die Sicherheit und Sauberkeit zuständig ist. Mit wem man ein Abteil teilt, liegt im Ermessen der Eisenbahngesellschaft und oft schlafen 4 Fremde zusammen. Es gab 9 Abteile pro Wagen. Ich habe natürlich das Paket, das wir auf unserer Kurztour erhalten haben, geöffnet und festgestellt, dass die Bettwäsche und das Handtuch in Ordnung waren.

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Bettwäsche in der transsibirischen Eisenbahn

Natürlich gibt es auch Luxusreisezüge, die über Wagen mit Duschen, Internet und Wäscheservice verfügen. Für eine Nacht kommt man auch mal mit einer Katzenwäsche aus. Aber ich wollte das wahre Eisenbahnleben, die Legende und die Romantik und natürlich auch die Nachteile der längsten Zugstrecke der Welt kennenlernen. Die meisten Züge verfügen über einen Speisewagen, der allerdings sehr weit weg von dem Sitzplatz sein kann, denn die Züge der Transsib können bis zu einem halben Kilometer lang sein. Es gibt keine Stromstecker direkt im Abteil, dafür jedoch in den Korridoren (Steckdosen mit 110V /220V, Stecker-Typ C). Auf manchen Teilstrecken gibt es sogar mobiles Internet, wurde uns berichtet.

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Toilette in der Transsibirischen Eisenbahn

Außerdem habe ich in verschiedenen Berichten im Internet davon gehört, dass einem auf der 5.185 km langen Strecke von Moskau nach Irkutsk schnell langweilig wird, denn es zieht 5 Tage lang immer die gleiche Landschaft vorüber: grüne Steppe, blühende Wiesen, Birkenwäldchen und ab und zu ein kleines Dorf. Die Baikaltrasse, die wir vor 2 Tagen befuhren war jedoch sehr abwechslungsreich und zählt sicherlich zu einer der schönsten Bahnstrecken der Welt. Es waren auch nur 260 Kilometer. Im Zug hat man natürlich auch den Vorteil, dass man die Toilette jederzeit benutzen könnte. Im Bus hatten wir keine. Also sparten wir auch mit dem Trinken. Da die Straße fast parallel zur Eisenbahntrasse verläuft, haben wir eigentlich nichts versäumt. Um 12:00 Uhr hatten wir die erste Zollkontrolle erreicht. Der Russische Zöllner stieg ein und kontrolliert unsere Pässe. Dann konnten wir weiterfahren zum Hauptzollamt. Dort mussten alle mit ihrem Handgepäck aussteigen und die Koffer holen. Der Bus musste auf die Grube und wir zum Röntgen. Danach wieder Passkontrolle und endlich erhielten wir den Ausreisestempel. Dann wurde der Bus wieder beladen und bevor wir durch den Schranken fahren konnten, bestieg wieder ein Zöllner den Bus, schaute alle Pässe nochmals an, zählte und durch und dann konnten wir fahren.

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Mongolische Grenzstation

Bei den Mongolen fand das gleiche Spiel in Grün statt. Dabei hatten wir großes Glück der jeweils einzige Bus zu sein, denn am Vortag bei der Anreise des leeren Busses benötigten sie für die Grenzformalitäten 5 Stunden! Wir hingegen nur knapp eine Stunde. Wir bemerkten aber sofort eine Veränderung als wir über die Grenze fuhren. Die kleinen Holzhäuschen waren Jurten gewichen. Im ersten kleinen Ort wurde schon alles für das Naha Fest vorbereitet. Hier finden Wettkämpfe in Ringen, Bogenschießen und Reiten statt. Das Fest ist wohl aus einem Wettkampf der Hunnen übernommen worden. Da wir gut in der Zeit lagen, hielten wir kurz an, um uns umzusehen.

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Naha Fest

Wir hatten sogar noch das Glück ein Vorrennen der einjährigen Fohlen mit den jüngsten Reitern zu sehen, die 14 km über die Steppe reiten. Gianmarco hätte seine reine Freude an den vielen schönen Pferden gehabt!

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Wettrennen der Fohlen

Dann wurde unsere Reiseleiterin für einen kurzen Augenblick etwas gesprächiger. Die Mongolei hat 3,3 Millionen Einwohner. 1,3 davon leben in der Hauptstadt Ulan Batar wohin wir unterwegs waren. Es gibt aber etwa 70 Millionen Tiere, die jedes Jahr gezählt werden. Hauptsächlich gibt es Kamele, Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen. Die Mongolen sind Nomaden, das heißt, dass sie mindestens 4 Mal jährlich weiterziehen, um gutes Futter für die Herde zu haben. Der Grund und Boden gehört der Allgemeinheit, außer er ist für landwirtschaftliche Flächen oder für Häuser in der Stadt eingezäunt. Sonst können sich die Nomaden überall niederlassen. Am Dorf erhalten die Menschen einen halben Hektar Grund, um sich etwa ein fixes Winterquartier zu bauen.

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Jurten

Selenga ist eine der größten der 21 Provinzen. Wir erreichten dann die drittgrößte Stadt der Monoglei, Darkhan. Hier gibt es Eisen- und Stahlindustrie, ein thermisches und ein Braunkohlekraftwerk, das die Stadt mit Energie versorgt. Außerdem wird noch gutes Geld mit Wolle und Teppichen gemacht, die in alle Welt exportiert werden. Die Industriestadt bieten mit seinen vielen sozialistischen Plattenbauten keinen besonders schönen Anblick und erinnerte mit eher an die alte Ortsdurchfahrt von Körmend. In den Außenbezirken gibt es nette kleine Siedlungen. Auf den eingezäunten Grundstücken stehen Haus und Jurte.

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Vorort von Darkhan

Um 16:00 Uhr gab es die heißersehnte Toilettenpause. Die Straßen waren immer schlechter geworden und bei voller Blase ist das nicht angenehm. Wir hatten großes Glück. Danach gab es für eine lange Strecke eigentlich überhaupt keine Straße mehr und alle Autos und LKW fuhren querfeldein wie bei der Rally Paris Dakar. In den nächsten Tagen wird die Ralley Russland China Mongolei starten. Wir konnten einen kurzen Einblick gewinnen, wie es sein würde. Kurz vor Ulan Bator wurde die Straße dann wieder besser.

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Ralley Paris Dakar

Wir hatten die Hauptstadt zwar gegen 18:00 Uhr erreicht. Doch kamen wir im Verkehr der Millionenstadt nur langsam voran. In einer Wechselstube hatten wir noch Geld gewechselt. Ein Euro sind etwa 3.000 Tukruk. Um 20:00 Uhr erreichten wir das Hotel, in dem wir unseren letzten 4 Nächte verbringen werden. Zum Abendessen besuchten wir ein Chinarestaurant, wo wir mit Stäbchen speisten.

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Tag 5

Religionen in Sibirien - Buddhismus und Altgläubige

sunny 31 °C

Da für heute Vormittag nichts am Programm stand, holte ich ein bisschen Schlaf nach. Die Russen hatten im Lokal gegenüber schon wieder lautstark gefeiert. Um 3:00 Uhr Morgens hatte ich das letzte Mal auf die Uhr gesehen, da lief die Discokugel noch. Deshalb kamt ihr auch zum guten Teil. Weil ich nicht schlafen konnte, habe ich meine Berichte fertiggeschrieben.

Erst um 09:45 ging ich gemütlich zum Frühstück und danach machte ich einen Spaziergang rund um das Hotel. In den kleineren Märkten schaute ich mich etwas um. Es gab eine Art „türkischen Honig“ und allerhand exotischer Kräutertees, deren Wirkung mir die Verkäuferin nicht erklären konnte. So ließ ich den Kauf bleiben. Bei diesem Spaziergang konnte ich allerdings den großen Wohnunterschied in der Stadt feststellen. Ulan Ude bedeutet eigentlich die rote Stadt am Fluss Ude. Die Stadt musste einst Dorfcharakter gehabt haben mit kleinen hölzernen Häusern mit kleinen Gärten. Die sieht man zum Teil heute noch – daran angrenzend haben sie aber Nachbarn erhalten, die sie bei Weitem überragen.

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Ulan Ude

Um 13:00 Uhr trafen wir uns mit der Reiseleiterin vor dem Hotel und starteten mit dem Bus Richtung Süden. Heute stand der Besuch des Zentrums des Buddhismus Russlands in Iwolginsk, einem kleinen Ort mitten in der Steppe, auf dem Programm. Schon die Fahrt dorthin war sehr schön. Vorerst mussten wir den Fluss Selenga überqueren. In dieser Richtung befindet sich auch der Flughafen. Der Fluss hatte sich hier geteilt und auf der Insel befinden sich viele Dachas, das sind die typischen Wochenendhäuser der Russen. Allerdings ist das Wohnen in der Stadt so teuer geworden, dass viele dieser kleinen Dachas winterfest gemacht wurden und heute den Familien als Ganzjahreswohnhäuser dienen. In den hohen Wohnblöcken der Innenstadt bezahlt man alleine für die Betriebskosten einer Einzimmerwohnung monatlich 6.000 Rubel bei einem Durchschnittsmonatsverdienst von 31.000 Rubel.

Danach erreichten wir die Steppe. In diese Steppenlandschaft wurden ganze Siedlungen mit kleinen Häuschen gebaut. Jeder hat seinen Garten, anders kann man sich das Leben als „Otto Normalo“ auch in Russland nicht mehr leisten. Wer besser verdienen will, muss in den Norden. Dort gibt es zwar gut bezahlte, aber sehr schwere Jobs, die auch gesundheitsgefährdend sind. Auch kann man, wenn man überlebt, früher in Pension gehen. Zurzeit können Frauen noch mit 55 und Männer mit 60 in Rente gehen. Allerdings soll das Pensionsalter kontinuierlich erhöht werden bis 60 und 65 Jahre. Obwohl die durchschnittliche Lebenserwartung in Buratien nur 62 Jahre beträgt.

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Satelittensiedlung in Ulan Ude

Während wir durch die Steppe fuhren, in der viele Kühe friedlich grasten, erzählte und Ajuna einiges über den Buddhismus und schon bald konnten wir den ersten Blick auf die Klosteranlage werfen. Vor der alten Anlage wird ein neuer, moderner Tempel gebaut.

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Kühe grasen in der Steppe vor dem Kloster

Das Iwolginsk Dazan ist das Kloster des Glücks und die Fülle der Freude bringendes Rad des Lernens – was immer das bedeuten soll. Schon von weitem sah man die grünen Dächer des Dazan, die sich wie Flügel schützend über die buntbemalten Mauern ausbreiteten. Leider wurde das Originalkloster in der stalinistischen Zeit zerstört. Da es aber so wichtig war, wurde es 1945 wiederaufgebaut und um eine Universität mit vier Fakultäten – Philosophie, Theologie, buddhistische Medizin und Malerei erweitert.

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Iwolginsk Dazan – der älteste Tempel

Wir betraten die Klosteranlage durch die linke Türe. Unsere Reiseleiterin hatte uns vor Ankunft einige Verhaltensregeln verraten. Man musste eine Klosteranlage immer im Uhrzeigersinn erkunden, ebenso die Runden im Tempel so ziehen und auch die Gebetsmühlen, die uns durch die ganze Anlage verfolgten, so drehen. Das Kloster ist nicht so wie wir die Anlagen von Europa her kennen. Hier gibt es keine prachtvollen großen Wohngebäude für die Mönche, sondern jeder Mönch lebt in einem kleinen Häuschen, das mit Spendengeldern gebaut wird. Zur Errichtung wird Holz verwendet, da es der billigste Baustoff ist.

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Gebetsmühlen mit Wohnhäusern der Klosteranlage

Die meisten Mönche haben eine Familie und wohnen zum Teil mit ihnen in der Anlage. Es gibt 120 Mönche und 90 Auszubildende. Die Grundausbildung ist sehr schwer und dauert etwa 8 Jahre. Wenn man danach die medizinische Ausbildung machen möchte dauert es weitere 8 Jahre. Auf dem Gelände haben wir verschiedene Tempel besucht, die jeweils entweder einem anderen Gott geweiht waren oder einen anderen Zweck erfüllten.

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Grüne Tempel

In einem der letzten Tempel kaufte ich mir zwei blaue Seidentücher. Die wollte ich mir von den Mönchen weihen lassen im großen Haupttempel, wo der Lama Daschi Dorscho Itigelow, der vor fast 90 Jahren verstorben ist, heute hier wie ein Heiliger verehrt wird. Er wurde 1852 in der burjatischen Steppe geboren. Da er seine Eltern sehr früh verlor, wuchs er im Kloster auf, wo er zum Mönch ausgebildet wurde. Er wurde Doktor der Philosophie und der tibetischen Medizin und 1911 zum Hambo Lama, dem geistlichen Oberhaupt aller Buddhisten in Russland. 1927 verkündete er seinen Schülern seinen nahenden Tod und versprach gleichzeitig seine Wiederkehr. Der Lama wurde 2002 unverwest exhumiert und sitzt heute in einem Anbau des Klosters. Er wird auch heute noch um Rat befragt und seine noch immer elastische Haut kommt dabei ins Schwitzen – ein unerklärbares Phänomen.

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Haupttempel

Nur wir zwei Kärntner (ein ehemaliger Lehrer aus Klagenfurt ist mit, der mit Tante Vevi in den Siebzigerjahren in Feldkirchen unterrichtet hatte) besuchten die Reliquien des Lama. Unsere Reiseleiterin begleitete uns und erklärte uns immer wieder, wie wir den Segen erbitten konnten. Irgendwie war es sehr ergreifend. Von hier aus hatten wir auch einen Blick auf den Heiligen Berg, der mit einem Mandala verziert ist.

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Heilige Berg

Aber ich bin nicht nur hier, um die schöne Landschaft zu genießen, sondern vor allem, um die Lebensweise der Bevölkerung in diesem Teil der Welt kennenzulernen. Manche Menschen haben dieses unwirtliche Gebiet verlassen, wie die Ungarn und manche sind hierher verbannt worden und andere wiederum haben sich hierher zurückgezogen. Unser nächstes Ziel, war das 70 km entfernte Dorf Semeiskije, was übersetzt so viel bedeutet wie „die Familiären“ oder „die im Familienverbund lebenden“. Sie sind eine Glaubensgemeinschaft von sogenannten Priesterlosen Altgläubigen, deren Vorfahren im 17. Jh. die liturgischen Reformen des Patriarchen Nikon nicht annehmen wollten. Ihre alltägliche und geistliche Kultur wurde 2001 von der UNESCO unter der Bezeichnung „Der Kulturraum und die mündliche Kultur der Semeiskije“ in das UNESCO-Welterbe ergänzende Programm „Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit“ aufgenommen. Dank den Altgläubigen, die eine große landwirtschaftliche Erfahrung, Einigkeit und eine erstaunliche Arbeitsfähigkeit hatten, begann eine intensive Erschließung der Region, ihre Siedlungen wurden zu den Kornkammern Burjatiens. Sie leben in gepflegten, bunt bemalten und mit aufwändigem Schnitzwerk dekorierten Häusern in attraktiven Dörfern.

Auf den Weg ins Dort Tarbagatei hielten wir an einem Aussichtspunkt. Der Blick auf die im Tal fließende Selenga war großartig. Wir waren ja wenig zu Fuß unterwegs, da die Sehenswürdigkeiten doch relativ weit auseinander lagen und die oft benutzten Schotterstraßen keine hohen Geschwindigkeiten zuließen.

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Blick auf die Selenga

Seit einigen Jahren werden die 400 schönsten Dörfer Russlands gekürt. In einem dieser Dörfer, in Tarbagatei, hatten wir die Gelegenheit die traditionelle, über mehrere Jahrhunderte bewahrte Folklore der Semeiskije, ihre Trachten, Bräuche, Erzählungen, Legenden, Gebete und vor allem die polyphonen geistlichen Gesänge mitzuerleben. Rosika und ihre Freundin erwarteten uns schon vor ihrem Haus – „der blauen Villa“. Freundlich wurden wir hereingebeten in den Hof zwischen dem Sommer- und dem Winterhaus. Sogar der Schweinestall ist blau gestrichen und hat kunstvolle, weiße Holzschnitzereien.

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Haus in Tarbagatei

Die Witwe ist 77 Jahre alt und hält mit Hilfe ihrer in der Nähe wohnenden Kinder das Anwesen in Schuss. Der Garten, der das Haus umgibt ist vollkommen Unkrautfrei. Die Kartoffeln und Stangenbohnen gedeihen gut im kurzen buratischen Sommer. Es gehört dazu, dass sich im Garten eine Sauna befindet. Sie dient auch als Badezimmer. Nachdem wir unsere Schuhe ausgezogen hatten, durften wir auch ins Haus, das aus Kühe, Wohnzimmer und einem Schlafzimmer bestand. Die Räume waren klein. Sie sind dadurch im Winter leichter zu beheizen. Natürlich gab es im Wohnzimmer einen großen Flachbildschirmfernseher.

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Heimatmuseum Tarbagatei

In der Kirche daneben wartete schon ein Pfarrer mit langem, weißen Bart auf uns. Er erzählte uns, dass die Sonntagmessen in der banklosen Kirche bis zu 8 Stunden dauern würden. Die Gesänge, die die Messe begleiten, drücken das Leiden und den Optimismus einer Gruppe von Menschen aus, die sowohl ihre Existenz, als auch ihre spirituelle und kulturelle Identität in harten Zeiten bewahrt haben.

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Kirche der Altgläubigen

Dann wurden wir zum Essen in den Speisesaal des Kulturhauses gebeten. Die Frauen des Dorfes hatten in der Zwischenzeit aus allem, was in der Umgebung wächst und gedeiht, etwas Köstliches für uns zuzubereitet. Ich kam mir vor, wie bei der Verwandtschaft in Ungarn, es wurde aufgetragen bis sich die Tische bogen und natürlich durfte der Alkohol nicht fehlen. Eigentlich standen für uns schon Vor-, Haupt- und Nachspeise auf den Tischen. Gemüse, Fisch aus dem nahe vorbeifließenden Fluss, Weißbrot und ein Krautsalat ähnlich dem, den wir in Ungarn zu essen bekommen. Kuchen und eine Art Reindling standen auch schon auf dem Tisch. Neben Wasser standen noch Flaschen mit Rot- und Weißwein auf dem Tisch.

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Aufgetischt bei dem Altgläubigen

Wir begannen zu essen, da wir schon recht hungrig waren. Dann erschienen Keller mit schweren gußeisenen Pfannen mit frischer Eierspeise mit großen Grammerln. Wir nahmen davon. Eigentlich dachten wir, dass wir schon von der Nachspeise nehmen konnten. Doch da wurde Kartoffelpüree und Fleischlaibchen aufgetischt. War es das jetzt? Noch nicht. Gebratenes Hähnchen und Reis kamen als nächster Gang. Dazwischen gab es immer wieder eigenartig anmutende Gesänge, einmal fröhlich, einmal traurig. Zwei Reiseteilnehmen wurden gebeten bei einer Hochzeitsfeier mitzumachen. Auch die dünnste Frau kann innerhalb von Minuten dick werden, wenn man ihr genügend Schichten anzieht. Die Männer hier mögen mollige Frauen mit genügend Holz vorm Haus.

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Hochzeitsfeier

Am Ende des Mahls wurde dann noch so eine Art von Germteig Mäusen serviert. Diese tunkt man in Preiselbeermarmelade. Preiselbeeren zählen hier zur Nationalspeise. Sie wachsen gut und werden überall dazu gegessen und als Saft getrunken. Getrunken wird aber auch Wodka, von dem wir reichlich zum Abschied zu uns nahmen. Eigentlich wollten wir noch nicht gehen. Hier wurden wir sehr freundlich aufgenommen und hervorragend bewirtet. Das Essen im Hotel war zwar immer gut gewesen, aber bei diesem Essen merkte man, dass es mit Liebe für die Gäste zubereitet worden war. Gegen 22:00 Uhr erreichten wir unser Hotel in Ulan-Ude.

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Tag 4

Schönste Bahnstrecke der Welt - Mit der Transsib entlang des Baikalsees

sunny 28 °C

Am Morgen wurden wir mit dem Bus zur Bahnstation – übrigens eine von über 400 entlang der Transsib -gebracht. Endlich konnte das Abenteuer „Transsibirische Eisenbahn“ beginnen. Vorerst würden wir von Irkutsk rund um den westlichen Teil des Baikalsees nach Ulan Ude fahren. Für die Strecke von etwa 450 km werden wir circa 6 Stunden benötigen. Früher mussten die Waggons auf die von den Engländern erbauten Fähren Baikal und Angara umgeladen werden. Seit 1902 wurde die Strecke modernisiert und die Fährstrecke durch eine 260 km lange Gleisstrecke mit 38 Tunneln und 248 Brücken und Viadukten ersetzt werden. Leider ist dieses geniale Werk der Ingenieure nicht mehr befahrbar, da die Angara fast bis auf die Geleise aufgestaut worden war. Heute fahren zum Wochenende noch Nostalgiezüge auf einigen der Teilstrecken.

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Bahnsteig Bahnhof Irkutsk

Wir waren etwa eine halbe Stunde zu früh am Bahnhof gewesen, aber besser zu früh als zu spät. Bald schon ging das große Eisentor auf und wir konnten auf den Bahnsteig. Ludmilla hatte uns bereits am Vortag die Fahrkarten ausgehändigt. Eine freundliche Schaffnerin polierte noch den Handlauf und dann ging es an die Kontrolle der Pässe und Fahrkarten. Dann mussten nur noch die schweren Koffer in den Zug gehievt werden. Gut, dass wir einen Kavalier mithatten, der uns bei dieser schweren Aufgabe behilflich war. Uns war zu Viert ein Abteil zugewiesen worden. Die zweite Hürde hatten wir auch bald genommen. Vier große Hartschalenkoffer mussten verstaut werden. Ich hatte im Internet die Maße der Gepäckfächer gefunden und meinen Koffer danach ausgesucht und der passte auch tatsächlich in dieses Behältnis am Boden. Ein weiterer Koffer passte auch. Die zwei anderen wurden auf das obere Bett gehievt, da wir alle beschlossen hatten, uns nicht schlafen zu legen. Trotzdem kam Jelena mit Bettzeug und Handtücher vorbei. Ich musste das in einem Plastiksack verpackte Bettzeug auspacken und begutachten – schneeweiß und äußerst weich. Wäre kein Problem gewesen, darin eine Nacht zu verbringen. Die viel größere Herausforderung wäre es gewesen, in die obere Etage zu gelangen.

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Abteil in der Transsibirischen Eisenbahn

Noch bevor sich der Zug in Bewegung gesetzt hatte, hatten wir unsere Habseligkeiten alle untergebracht. Vorerst ging es ein Stück des Weges aus der Stadt heraus entlang der Angara. Wir werden nur einen kleinen Teil der insgesamt 9.288 Kilometer der Transsibirischen Einbahn von Moskau nach Wladiwostok befahren. Sie ist somit die längste durchgehende Eisenbahnstrecke der Welt. Schade, dass Ludmilla uns nicht geleiten konnte, die wüsste sicher Vieles über die Bahn zu erzählen. So musste ich mich und ihr euch mit einer kleinen Zusammenfassung verschiedenster Berichte aus dem Internet begnügen. Aber das ganze Abenteuer ist viel zu interessant, als dass man einfach Sang und Klanglos mit der „großen Fahrt“ beginnt.

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Fahrt entlang der Angara

Eigentlich wurde sie in der zweiten Hälfte des 19. Jh. errichtet, um die in Sibirien vorkommenden Bodenschätze leichter transportieren zu können. Auch versprach man sich dadurch einen leichteren Zugang zum chinesischen Markt. Zum Bau wurde nur einheimisches Material verwendet, was die heimische Wirtschaft ankurbelte. Ein Drittel der russischen Jahresproduktion an Roheisen wurde zum Bau der Transsib verwendet. 1891 erfolgte durch den letzten russischen Zaren Zarewitsch Nikolai der Spatenstich in Wladiwostok und im Oktober 1916 wurde die Transsib mit der Einweihung der Amurbrücke bei Chabarowsk fertiggestellt.

Aufgrund der extremen klimatischen Bedingungen von bis zu minus 50 Grad im Winter und Bodenfrost bis in Juni kam man mit dem Bau nur langsam voran. Aus Kostengründen wurde die Strecke zunächst nur eingleisig ausgebaut. Auf den Baustellen im Ostabschnitt wurden die um die Hälfte billigeren Saisonarbeiter aus China, Korea und Japan beschäftigt, sowie Strafgefangene und Zwangsarbeiter. 1895 waren auf den verschiedenen Bauabschnitten bis zu 90.000 Menschen beschäftigt. Aber unzureichende Sicherheit am Bau, mangelnde Hygiene und Krankheiten kosteten Zehntausende Leben.

Der zweispurige Ausbau der Transsib wurde nach dem Zweiten Weltkrieg fertiggestellt. Die Strecke verläuft über 7000 km von West nach Ost und 1400km von Nord nach Süd. Sie wird landschaftlich vorwiegend durch Taiga geprägt. Bei Kilometer 1777 im Ural markiert ein Obelisk südlich der Gleise die Grenze zwischen Europa und Asien, wo wir leider nicht hinkommen werden. Von der Transsibirischen Eisenbahn zweigen Strecken nach Zentralasien, die Transmongolische Eisenbahn von Ulan-Ude in die Mongolei und die Volksrepublik China ab. In ihrer Fortsetzung jenseits von Wladiwostok führt die Bahnstrecke Chassan–Rajin nach Nordkorea. Wir hätten eigentlich auch die Hauptstrecke auch verlassen und auf der Transmongolischen in die Hauptstadt der Mongolei weiterreisen sollen. Leider wurde wegen eine Fahrplanänderung dieser Streckenabschnitt abgesagt. Ihr fragt wieso ich keine längere Strecke mit dem Zug fahre? Jeden zweiten Tag verlässt ein Zug den Jaroslawler Bahnhof in Moskau um 144 Stunden später in Wladiwostok am Japanischen Meer anzukommen. Ich probiere erst mal die kurze Strecke aus, bevor ich 6 Tage und lange Nächte im Zug sitze. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit der Personenzüge auf der Transsib beträgt 60 bis 70km/h. Güterzüge fahren langsamer. Obwohl streckenweise als Hochgeschwindigkeitsbahn konzipiert, beträgt die Höchstgeschwindigkeit 140 km/h. Es wird noch auf russischer Breitspur 1.520 mm gefahren. Die Lokomotiven hingegen werden unterwegs mehrmals gewechselt, was allein wegen der verschiedenen Stromsysteme entlang der Strecke notwendig ist. Und noch was Interessantes: Die Russische Eisenbahngesellschaft hat sich das Leben etwas erleichtert. Von Murmansk bis Wladiwostok durchquert die Transsib auf ihren 85.500 Kilometern Schienen 10 Zeitzonen. Um das Problem der Zeitverschiebung bewältigen zu können, gilt auf allen Bahnhöfen die gleiche Zeit, nämlich die der Hauptstadt Moskau.

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Verlauf der Transsibirischen Eisenbahn

Auf jeden Fall war die Fahrt entlang des Südufers des Baikalsees sehr schön. Vorerst fuhren wir durch dicht bewaldetes Gebiet. Man spürte, dass wir an Höhe gewannen.

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Transsibirische Eisenbahn

Man fährt, da die alte Tunnelstrecke entlang des Seeufers gesperrt wurde, querfeldein durch das Gebirge an die südwestlichste Spitze des Baikalsees. Eigentlich kamen wir genau am gegenüberliegenden Ufer auf dem wir gestern gefahren sind, heraus. Man konnte sogar den kleinen Hafen an der Landzunge mit dem Städtchen Listwjanka sehen.

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Am Ufer des Baikalsees

Da wir unser Frühstück bereits um 06:20 Uhr erhalten hatten, genehmigte ich mir einen Tee. Teesäckchen und Tubenmilch hatte ich von zu Hause mitgebracht und am Ende eines jeden Wagons gab es einen Samowar mit heißem Wasser zur freien Entnahme.

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Samowar Transsibirische Eisenbahn

Gerne schauten wir uns die abwechslungsreiche Landschaft an. Immer wieder sah man Margeriten, Glockenblumen, wilde Rosen und Kerbelkraut in den Wiesen blühen. Leider muss Schönheit wohl oft im Vorborgenen bleiben, denn wenn es ganz schön wurde der Anblick durch die Wagons eines scheinbar nie enden wollenden Zuges verdeckt und dann war es meist zu spät für ein Foto. Es gab erstaunlicher Weise wirklich einen häufigen Zugsverkehr. Immer wieder kamen wir durch kleine Dörfer, in denen man bunte Holzhäuser sah. Meist waren sie umgeben von großen Gärten, in denen viele Kartoffeln wuchsen.

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Kleine Dörfer entlang der Transsib

Es war Mittag geworden. Beim Lesen der verschiedenen Berichte im Internet bin ich immer wieder darauf gestoßen, dass vor allem Rucksacktouristen Suppenpulver mithaben und sich davon auf ihrer tagelangen Reise mit der Bahn ernähren. Da ich Angst hatte, dass Wurst und Käse bei 28 Grad schlecht gehen würden, hatte auch ich mir eine Packung französischer Knoblauchsuppe mitgenommen und diese auch verspeist – damit alle was davon hätten.

Der Baikalsee war den plötzlich verschwunden. An seine Stelle traten Wiesen und große Felder, auf denen Getreide wuchs. Wir hatten das Delta der Selenga erreicht. Aus den kleinen Dörfern sind Vororte geworden und die ersten Wohnblöcke tauchten auf. Dies war ein sicheres Zeichen, dass wir unserem Ziel nahe waren.

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Bahnhof Ulan Ude

Um 15:02 Uhr am Nachmittag erreichten wir dann Ulan-Ude das kulturelle, politische und wirtschaftliche Zentrum der Teilrepublik Burjatien. Der Zugstreckenknotenpunkt an der Verzweigung der Transsibirischen und der Transmongolischen Eisenbahn hat etwa 400.000 Einwohner. Die Siedlung Ulan wurde 1666 von den Kosaken an der Mündung der Uda in die Selenga als Überwinterungsstation gegründet. 1878 wurde die Stadt durch einen Brand vernichtet und danach komplett neu aufgebaut.

Am Bahnsteig wurden wir von Ajuna erwartet. Gut, dass Gepäckträger da waren, denn der Bahnhof ist gar nicht barrierefrei ausgestattet und in der Hitze wäre es nicht lustige gewesen, die schweren Koffer über die Treppen bis zum Bus zu tragen.
Nachdem wir die Koffer zum Hotel zum Hotel gebracht hatten, fand um 16:30 Uhr eine kleine Stadtrundfahrt statt. Hier merkt man auf Schritt und Tritt die Mischung aus Buddhismus, Orthodoxie und sowjetischer Vergangenheit. Im historischen Zentrum der Stadt findet man sich im 19. Jh. wieder. Die Häuserzeilen der wohlhabenden russischen Kaufleute sind mit Holzschnitzereien und Steinmetzarbeiten geschmückt.

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Ulan Ude Holzhaus des reichsten Kaufmannes

Auf dem Platz der Sowjets findet man die weltweit größte Portätbüste Lenins mit 13,5 m und 12 Tonnen. Sie soll die vielen kleinen Statuen, die durch die Stadt verteilt waren ersetzen. Auf diesem Platz gegenüber dem kleinen, aber feinen Opernhaus, finden alle Veranstaltungen im Jahreszyklus statt. Durch den Triumphbogen gelangt man in die Fußgängerzone, in der reges Treiben herrschte.

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Ulan Ude Fußgängerzone

Danach kehrten wir in das Hotel zurück, wo im 14. Stockwerk bei herrlicher Aussicht das Abendessen auf uns wartete.

Wenn ich einen Tagesrückblick mache, muss ich sagen, dass sich die Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn auf jeden Fall ausgezahlt hat. Es ist zwar nicht mehr so, wie man es aus den alten Filmen kennt. Da müsste man schon mit der nostalgischen Bahn fahren. In der Zwischenzeit sind die Jahre vergangen und auch auf dieser Strecke ist die Moderne eingetroffen. Man muss sich natürlich vor Augen halten, wie groß Russland ist. Diese Schienen stellen die Hauptlebensader dar. Für viele entlegene Ortschaften ist diese Bahn die einzige Möglichkeit, ihr zu Hause zu verlassen. Insofern muss ich sagen, dass ich erstaunt war, dass unser Zug nicht sehr gut besetzt war. Allerdings gibt es diesen auch erst seit dem Vorjahr. Hauptsächlich wurde der Fahrplan für die Touristen geändert, damit sie tagsüber fahren und dabei die Landschaft genießen können. Für einen Einheimischen wäre der Fahrpreis für die kurze Strecke viel zu hoch. Trotzdem tut es mir irgendwie leid, dass wir nicht im Zur übernachten werden. Das wäre den Vorstellungen in unseren Köpfen wahrscheinlich näher gekommen.

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Tag 3

"Das Heilige Meer Sibiriens - der Baikalsee

sunny 25 °C

Gestern Abend ging es noch hoch her in unserem Hotel. Da dürfte es eine Schulabschlussfeier gegeben haben. Es waren genau vor meinem Fenster viele laute Jugendliche unterwegs. Aber wohl wegen der Müdigkeit und des Schlaftrunkes hatte ich bis zum Läuten des Weckers um 07:45 Uhr durchgeschlafen. Nach einen guten Frühstück verließen wir mit dem Bus die Stadt Irkutsk. Ziel sollte das 65 km entfernt liegende Dorf Listwjanka an der Südküste des Baikalsees sein. Wir fuhren sofort auf die Autobahn auf und nach etwa 5 km wieder ab. Dort machten wir bei einem „Supermarkt“ Halt, um uns für die Zugfahrt am nächsten Tag mit Lebensmitteln einzudecken. Obwohl ich mich schon zu Hause mit Essbarem eingedeckt hatte, ging ich mit, um die Preise zu vergleichen. 1 Liter Milch kostet 89,90 Rubel. Da 70 Rubel etwa 1 Euro sind, ist die Milch relativ teuer zumal der durchschnittliche sibirische Monatsverdienst 32.000 Rubel beträgt. Aber es gibt sehr viele westliche Produkte, für die die Russen gerne bereit sind, mehr zu bezahlen. Die Bierauswahl war sehr international und riesengroß.

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Einkaufen im Supermarket

Etwas außerhalb von Irkutsk auf halbem Weg zum Weltnaturerbegebiet Baikalsee befindet sich das große Freilichtmuseum Talzy. Seit 1966 wurden 36 alte Holzbauten aus verschiedenen Dörfern rund um Irkutsk auf einem 37 Hektar großen Areal wiederaufgebaut. Es gab wunderschöne alte Holzkirchen, ähnlich denen, die wir auf der Insel Kischi gesehen haben,

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Alte Holzkirche

Bauernhäuser, jedes mit Herrgottswinkel in der guten Stube

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Gute Stube des Bauernhauses

und auf jeden Fall mit einer Sauna im Garten (hier wurde geheizt und deshalb diente sie auch als Ersatzbadezimmer, Raum für Geburten, Krankenpflege und Aufbahrungshalle)

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Sauna im Garten

und ein Teil einer alten Festung, Ostrog genannt, aus dem 17. Jh. In dessen Aussichtsturm die Kosaken uns mit ihren schönen Liedern erfreut haben

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Altes Fort mit Aussichtsturm

Sowie ein Schulhaus mit Klassenzimmer und gleich daran angeschlossener Lehrerwohnung

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Alte Schule

und eine burjatische Jurte.

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Jurte

iverschwunden. Heute bekommt der Besucher hier auch Einblick in die Ethnografie des Gebietes Krasnojarsk. Über lange Jahre hinweg hatte dieses Museum eine rein politische Bedeutung und war bekannt als Verbannungsort von Lenin in Sibirien, was allerdings unsere Reiseleiterin Ludmilla mit keinem Wort erwähnt hatte. Daher kommen Touristen nicht selten nach Schuschenskoje, um sich nicht nur mit dem Altertum vertraut zu machen, sondern auch mit der Revolutionsgeschichte Russlands. Der junge Lenin lebte während seiner Verbannung in zwei Häusern. Auf jeden Fall war auch der Ausblick auf die aufgestaute Angara sehr schön.

Die Fahrt ging weiter durch dichte Wälder aus Birken und Lärchen, die immer wieder die Sicht auf die parallel fließende Angara versperrten. Doch dann konnten wir von einem Hügel aus bereits den ersten Blick auf die Stelle werfen, aus der der einzige Abfluss des Sees, die Angara, entspringt. Der Baikalsee, auch "Heiliges Meer“ genannt, war einst zur Gänze von Bergen umgeben. Da sich hier die Kontinenttalplatten aneinander reiben, stürzte ein Teil ein und das Wasser konnte ablaufen. Nur mehr eine Felsspitze des ehemaligen Gebirgszuges ragt heute noch aus dem Wasser heraus. Wir hielten an, um einen Blick auf diesen Shamanenstein zu werfen.

Nächster Halt war beim Shamanen Stein, der mit der Geschichte des Sees eng verbunden ist. Eine Legende besagt, dass der alte Baikal seine einzige Tochter Angara über alles liebte. Als sie sich eines Tages zu ihrem Geliebten Jenissei flüchtete, warf der Vater aus Zorn einen großen Stein nach ihr. Dieser auch Schamanenstein genannte Fels ragt bei Listwjanka aus dem Wasser und markiert die Grenze zwischen Baikal und Angara. Die Angara wird auch als einzige Tochter des Baikal bezeichnet, da sie heute dessen einziger Abfluss ist, Söhne (Zuflüsse) hat der Baikal mehr als 300. Ob in Zukunft allerdings von diesen Zuflüssen noch viel Wasser fließen wird, ist fraglich, da die Mongolei alleine am Fluss Selenga acht neue Kraftwerke bauen will, woher der Baikalsee die Hälfte seines Wassers bezieht.

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Shamanenstein in der Angara

Der nächste Stopp war sehr interessant. Es ist erstaunlich, was Ludmilla alles zu erzählen weiß. Sie ist Grundschullehrerin und hat jetzt drei Monate Ferien, wo sie fast nichts verdient. In der Zeitung sah sie das Inserat, dass eine Reiseleiterin gesucht werden würde und da hat sie sich Gott sei dank auch gleich beworben. Im Baikalmuseum zeigte sie uns anhand von Exponaten (Fossilien, die in der Gegend gefunden worden waren) die Entstehung der Erde und die hier noch immer stattfindende Kontinenttalverschiebung. Der Baikalsee hat eine Uferlänge von 2.500 km. An seinen Ufern leben etwa 50.000 Menschen und 150.000 Seerobben. Diese waren lange Zeit geschützt und konnten sich so vermehren, da sie keine natürlichen Feinde haben, dass es etwa 50.000 zu viele von ihnen gibt. Es gibt nur noch zwei Stellen auf dieser Erde an der es Süßwasserroben gibt. Die zwei 80 und 100 kg schweren Damen Maria und Baikalina konnten wir im Aquarium neben sehr seltenen Fischen, die im Baikalsee schwimmen, bewundern.

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Der Baikalsee

Da wir uns in den sibirischen „Alpen“ befinden, durfte natürlich eine Seilbahnfahrt auf einen Gipfel nicht fehlen. Mit einem alten dreier Sessellift der Marke unbekannt fuhren wir auf den etwa 728 m hohen Czerski auf. Diese Erhebung ist nach seinem polnischen Entdecker Jan Czerski benannt. Nachdem der Adelige während der Revolution festgenommen worden war, wurde der studierte Geograph nach Sibirien ins Exil geschickt. Gegen 3 Mahlzeiten am Tag hat er Karten von weiten Teilen Sibiriens angelegt. Auf seinem Gipfel gibt es einen schönen Aussichtspunkt, von dem aus man einen Teil des 650 km langen Baikalsees überblicken kann. Da es sich um einen shamanischen Ort handelt, waren Büsche, Bäume und Geländer mit bunten Bändern geschmückt. Da ich das schon im TV gesehen hatte, nahm ich Bänder mit, um sie hier mit einem Wunsch verbunden festzuknoten. Es war sehr beeindruckend. Am morgigen Tag würden wir das im Dunst liegende andere Ufer mit der KhamarDaban Gebirgskette mit dem Zug bereisen.

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Aussichtspunkt am Czerski

Beim Runterfahren kamen uns ganze Ladungen von Chinesen entgegen. Es gibt so viele von ihnen, dass die Speisekarten einen eigenen Teil in ihren Hieroglyphen geschrieben haben. Unter uns gab es große Farnfelder. Der wird hier gegessen und sogar für den Winter wie Sauerkraut eingelegt. Außerdem blühten die Akelai und eine Lilienart.

Bevor wir zum Abendessen fuhren, besuchten wir die Kirche zum Heiligen Nikolaus, der hier sehr verehrt wird. Dann erreichten wir den kleinen Ort Listwjanka. Hier hört die Straße auf und man kann den Norden des Sees nur noch mit dem Schiff erreichen. Im 18 Jh. wurde Listwjanka zum ersten Mal in Reiseaufzeichnungen gefunden. In den kleinen, einsamen Ort, der schwer erreichbar war, wagten sich nur flüchtige Sträflinge. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Schiffswerft zum wichtigsten Unternehmen von Listwjanka, weil dort die in England gebauten Eisbrecher „Baikal“ und „Angara“ zusammengesetzt wurden. Die kleine Ortschaft wuchs rasant an, weil aus der kleinen Stadt der größte Hafen am Baikalsee wurde. In den 1960er Jahren wurde in Rekordzeit eine Autobahn von Irkutsk nach Listwjanka gebaut, da ein vermeintliches Treffen zwischen Dwight D. Eisenhower und dem russischen Staatsoberhaupt am Baikalsee stattfinden sollte. Heute gibt es in der Stadt viel Souvenirläden und Cafes, denen auch wir einen kurzen Besuch abstatteten.

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Karte Baikalsee mit Einzugsgebiet

Die größte touristische Attraktion ist jedoch der Baikalsee, der seit 1996 zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt. Der See ist meistens von November bis Mai zugefroren. Seit kurzem zählt der Fernwanderweg „Great Baikal Trail“, der im Endausbau eine Länge von 2.000 km haben wird, zu den größten Aktrationen. Der Baikalsee befindet sich in den Südsibirischen Gebirgen, ist mit 1642 m Tiefe der tiefste See und mit einem Volumen von 23.615 km³ der wasserreichste Süßwassersee der Welt. Er enthält ungefähr ein Fünftel des weltweit vorhandenen flüssigen Süßwassers. Der See besitzt eine Uferlänge von rund 2125km, ist vom Südwesten zum Nordosten 673km lang und maximal 82km breit. Seine durchschnittliche Breite beträgt 48 km. Der einzige Abfluss des Sees, die Angara, ist sogar zwischen Bratsk und Irkutsk schiffbar. Wegen seiner großen Tiefe hat er kaum mehr als 10 Grad – also ideal als Badesee! Trotzdem bauen reiche Russen ihre Datschas direkt ans Ufer, obwohl der gesamte See von einer Küstenschutzzone umgeben ist. Die Kahlschläge der holzverarbeitenden Industrie sind ein weiteres Zeugnis dafür, dass die Russen nicht viel von Umweltschutz halten, obwohl uns Ludmilla ständig davon erzählt hat, wie friedvoll und umsichtig die Russen sind. Sie macht ihren Job allerdings sehr gut und brilliert mit hervorragendem Wissen auf allen Gebieten. Dazu hat sie noch einen trockenen Schmäh: Männer sind wie Hunde – sie gehören ins Freie (um ihren Testosteron abzubauen) und Frauen sind wie Katzen – sie gehören ins Haus.

Natürlich wäscht man sich vor dem Essen die Hände und das am besten im Baikalsee. Ich wuchs meine Füsse auch und es war gar nicht so kalt. Um 18:00 Uhr speisten wir im Lisvyanka Restaurant ein typisches Baikal Fischmenü. Gegen 20:30 Uhr erreichten wir das Hotel. Ein schöner Tag ging zu Ende. Jetzt hab ich meinen Bericht fertiggeschrieben, weil die Russen schon wieder lautstark im Hotel feiern. Aber ich hab ja noch Whiskey! Der hilft. Morgen müssen wir früh aufstehen.

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Abendessen Fisch vom Baikalsee

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Tag 2

Das Paris Sibiriens "Irkutsk"

sunny 26 °C

Wir sind gut in Irkutsk, Paris Sibiriens genannt, gelandet. Irkutsk in Russland ist 6 Stunden vor Wien. Wenn es in Kärnten 12:00 Uhr Mittag ist, dann ist es in Irkutsk bereits 18:00 Uhr am Abend. Da es so früh war, konnten wir unsere Zimmer noch nicht beziehen. Aber wir wurden trotzdem in ein Hotel gebracht, wo uns ein Frühstück serviert wurde. Gefühlt um Mitternacht begannen wir sodann gleich mit der Stadtrundfahrt durch die Hauptstadt der russischen Oblast Irkutsk. Die Stadt liegt etwa 70 Kilometer vom südwestlichen Ende des Baikalsees direkt an der Angara, dem einzigen Abfluss dieses Sees. Am Südostrand der Stadt wird die Angara zum Irkutsker Stausee aufgestaut, bevor sie dann in den Irkut mündet. Die Universitätsstadt hat circa 600.000 Einwohner und liegt direkt an der Transsibirischen Eisenbahn.

In Irkutsk herrscht hochkontinentales subarktisches Klima mit warmen Sommern mit Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad und kalten Wintern, in denen das Thermometer auf Minus20 bis Minus 30 Grad fällt.

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1661 wurde am Ufer des Flusses Angara unter dem Kosakenführer Jakow Pochabow ein Kosakenfort angelegt. Seit 1686 hat Irkutsk, welches Handelszentrum für Diamanten, Gold, Seide, Tee und Holz ist, das Stadtrecht. 1728 startete hier Vitus Bering seine ersten beiden Expeditionen. Von hier aus begann die Eroberung des weiten Landes bis nach Alaska. 1879 zerstörte ein Brand 4.000 Häuser, was etwa drei Viertel der Stadt war. Daher ließen im 19. Jh. russische Adelige, die als Zwangsarbeiter nach Sibirien kamen, zahlreiche bemerkenswerte Bauwerke aus Ziegel und Stein errichten, wie das Theater und den Bahnhof. Im 20. Jh. verlor die Stadt an Bedeutung. Nowosibirsk wurde politisches und wirtschaftliches Zentrum Sibiriens. Irkutsk spielt jedoch bis heute mit seinen Theatern und seiner reizvollen Holzarchitektur im Stadtzentrum eine wichtige kulturelle Rolle. Die Innenstadt kann man gut zu Fuß erkunden, indem man der grünen Linie folgt, die 30 Sehenswürdigkeiten auf einer circa 5 km langen Route durch die Stadt verbindet.
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Es hatte26 Grad und wir waren alle „übernachtig“. Da dachte keiner daran, den Stadtrundgang zu Fuss zu machen. Wir befuhren die überbreite Hauptstraße, Karl Marx Straße genannt, die von vielen wunderschönen Gebäuden gesäumt wurde. Jetzt konnte ich verstehen, warum Irkutsk das „Paris Sibiriens“ genannt wird. Die Ulita Uritskogo ist die sehr belebte Fußgängerzone, wo die ganzen guten Läden sind. Das Wahrzeichen der Stadt ist „Babr“, eine Mischung aus sibirischem Tiger und einem Biber, der seine Beute, einen Zobel, im Mund festhält.

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Wappen der Stadt mit Babr

Vorerst blieben wir beim Kriegerdenkmal der Stadt stehen, das reichlich mit Seidenblumen dekoriert war. Danach machten wir einen Spaziergang an die Angara, wo das Denkmal des Stadtgründers steht. Die Uferstraße war wegen des heutigen Feiertags des Kindes abgesperrt. Hier würde später ein Autorennen stattfinden. Am Ufer befindet sich eine Kirche, die zerstört worden war. Die bunten Fresken sind erst 20 bis 30 Jahre alt. Der Altar der russisch-orthodoxen Kirche ist mit reich goldenen Ikonen verziert. Unglaublich, wie schön die Kirche war.

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Sobor Bogayavlensky Kathedrale

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Altar der russisch-orthodoxen Kirche

Ihr gegenüber steht die 312 Jahre alte Erlöser Kirche, die bereits zum dritten Male wiederaufgebaut worden war. Zwei Mal hat es aus Holz bestanden, für den dritten Wiederaufbau wurde in Moskau der Bau einer Kirche aus Stein beantragt.

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Khram Vo Imya Spasa Erlöser Kirche

Vorherrschende Fassadenfarben sind weiß, grün und blau. Das sind auch die Farben, die am häufigsten in der Natur vorkommen. Man glaubt, dass Gott einen Grund gehabt hatte, als er die Welt erschaffen hatte, dass diese Farben so oft vorkommen. Um ihn zu gefallen werden diese Farben häufig verwendet. Durch die ganze Stadt sieht man sehr viele linksgesteuerte Autos fahren. Das sind japanische Gebrauchtwägen. Sie sind in Russland besonders beliebt.

Im 130 kvartal befinden sich meiner Meinung nach, schlecht renovierte Holzhäuser aus dem 18. Jh. Hier hat es mir nicht so gut gefallen. Durch die ganze Stadt hatten wir schon alte gesehen, die etwas schief stehen. Diese Häuser wurden zum Großteil aus der heimischen Lerche erbaut. Sie wächst hier sehr langsam, da der Sommer sehr kurz ist. Für den Durchmesser einer bei uns wachsenden 100 jährigen Lärche benötigt der Baum in Sibirien 200 Jahre. Diese Bäume werden auch als Fundament der Häuser verwendet. Das Holz wird im Feber geschlägert. Weil es so harzig ist, versteinert es mit der Aufnahme der Flüssigkeit aus dem Boden. So wird es auch schwer brennbar. Von den 82 renovierten Häusern in diesem Viertel gehören 4 der Stadt. In diesen sind Museen untergebracht. Die anderen wurden zum Teil Handwerkern mietfrei überlassen, um Leben in das Viertel zu bringen. Es sollen in weiteren 10 Stadtvierteln solche Projekte entstehen. Diese Häuser sind durch ihre Bauweise auch ziemlich Erdbebensicher und vor dem Permafrost geschützt.

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Holzhaus im Quartier 130

Auf unserer Fahrt zur Kazanskaya Kirche kamen wir an einem der heute noch existierenden Gefängnissen vorbei. Die schlossähnliche orthodoxe Kirche Kazanskaya mit ihren blauweißen Türmchen hatte große Ähnlichkeit mit der Basilius Kathedrale am Roten Platz in Moskau. Nur war die Blumenbepflanzung rund um die Kirche einzigartig. Der Hauptaltar wurde gerade renoviert. In dieser Kirche habe ich eine Kerze für den guten Verlauf der Reise angezündet.

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Kazanskaya Kirche

Eigentlich war die Zeit der Stadtrundfahrt schon zu Ende. Wir hatten am Vormittag jedoch einen Stopp in der Bank eingelegt, um Rubel zu wechseln und eine nicht geplante Toilettenpause hatte auch stattgefunden. So genehmigte die Chefin des Reisebüros den noch auf dem Programm stehenden Besuch des Klosters. Auf dem dorthin hielten wir noch kurz bei schönen Holzhäusern, um die Symbole auf der Fassade zu betrachten. Sie waren von einfachen Bauern errichtet worden, die nicht lesen und schreiben konnten. An der Verzierung dieses Hauses konnte man herauslesen, dass man hier früher übernachten konnte und etwas zu essen bekam.

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Verzierung Holzhaus Irkutsk

Letzter Halt war das Kloster Im Zeichen der Heiligen Gottesmutter Maria. Im Park fanden wir den Gedenkstein für den Columbus Russlands. Einige wollten noch unbedingt auf den Markt. Letztendlich blieben dann nur noch zwei über, die dazu nicht zu müde waren und die mit dem Taxi ins Hotel fahren würden.

Zum Abendessen um 18:00 Uhr im Restaurant gegenüber dem Hotel gab es einen Fischsalat als Vorspeise und eine Renke aus dem Baikalsee zum Hauptgang. Nach dem Abendessen fiel ich nach Einnahme eines Schlummertrunks ins Bett.

Hi Mutti!
Speziell für Dich: Mir geht es sehr gut. Alles in Ordnung. Gruß an alle

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